Weltmeere

Fischfang erfordert immer mehr Energieaufwand

Die Zeiten des großen Fischfangs sind vorbei: Die Meere leiden unter akutem Fischmangel. Seit 1889 haben Wissenschaftler an der Yorker Universität den Fischbestand in den Meeren verfolgt und mit Erschrecken festgestellt, dass dieser in den Salzgewässern um bis zu 94 Prozent zurückgegangen ist.

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Um einen Fisch zu fangen, bedarf es heute 17 mal mehr Aufwand an Energie und Ressourcen, als noch zum Ende des 19. Jahrhunderts.

Das berichten Forscher der Universität York und Marine Conservation Society (MCS) im Online-Journal "Nature Communications". "Der Zustand der Fischerei ist schlimmer, als sogar die pessimistischsten Schätzungen bisher angenommen haben", so Studienautor Callum Roberts.

Die begehrten Speisefische seien praktisch komplett verschwunden. Grundlage dieser Aussagen ist die Analyse von historischen Daten zu den Fischfängen in England seit 1889. Es zeigte sich, dass der Bestand in den Meeren im vergangenen Jahrhundert immens reduziert wurde.

Durch die ständige Überfischung beträgt der Rückgang bis zu 94 Prozent im Vergleich zu den Messungen vom Ende des 19. Jahrhunderts.

Besonders die beliebten Speisefische wie Kabeljau, Schellfisch und Scholle sind praktisch gänzlich aus den Meeren verschwunden. 1937, am Höhepunkt der Überfischung, gingen laut Messungen bis zu 14 mal mehr Fische in die Schleppnetze, als heute.

Interessant war auch der Vergleich dieser Daten mit der Größe und Anzahl der Fischerboote. Laut Informationen, über den Umfang an Energie und Technik der Fischerei, braucht es heute 500 mal mehr Aufwand, um einen Heilbutt zu fischen. Ein Schellfisch erfordert 100-fache Ressourcen, andere Fische, wie Scholle, Katfisch, Seehecht und Lengfisch 20-fache. Durchschnittlich war der Aufwand pro Fisch am Anfang der Messungen 1889 somit 17 mal geringer.

"1889 fischte man mit Segelbooten. Trotz des technologischen Fortschritts und Leistungszuwachs hat die heutige Fischereiflotte weit weniger Erfolg, als die noch von Segelkraft betriebene Fischerei am Ende des 19. Jahrhunderts", so Erstautorin Ruth Thurstan.

Der Schaden für die Fischerei ist damit größer und habe schon weit früher begonnen, als bis heute angenommen wurde. Die bisherigen Maßnahmen gegen die Überfischung der Meere, greifen allerdings zu kurz, um den derzeitigen Fischbestand zu sichern.

Die Ergebnisse dürften laut den Studienautoren nicht nur für die Meere um England gelten, sondern müssen auch die meisten marinen Fischereigebiete mit einbeziehhen.

Doch auch im Süßwasser gibt es Probleme. "In Seen und Flüssen ist die Lage ähnlich dramatisch", berichtet Mathias Jungwirth, Leiter des Instituts für Hydrobiologie und Gewässermanagement an der Wiener Universität für Bodenkultur. "In Flüssen ist das Grundproblem allerdings nicht die Überfischung, sondern Kraftwerke, Flussverbauungen und die Verschmutzung durch Abwässer."