Der globale Energiehunger ist immens, und er wächst weiter. Anfang dieser Woche veröffentlichte der Weltenergierat eine Studie, wonach der Energiebedarf bis zum Jahr 2030 um bis zu 40 Prozent steigen wird. Danach könnte sich der Verbrauch auf ein konstantes Niveau einpendeln. Sollte dieses Szenario eintreten, würde das die Bemühungen um eine Stabilisierung des Kohlendioxid-(CO 2 -)Gehalts der Atmosphäre enorm erschweren. Denn trotz Fortschritten in der Weiterentwicklung der regenerativen Energien könnten die CO 2 -freien Techniken kaum mit dem Energiehunger mithalten.
Ein Viertel der menschengemachten CO 2 -Emissionen geht auf Stromgewinnung und Heizung zurück. Die größten Emittenten sind Großkraftwerke. In einer Fleißarbeit hat jetzt das Center for Global Development in Washington D.C. die Daten zu den CO 2 -Emissionen der weltweiten Kraftwerke zusammengetragen und Rankings aufgestellt. Die „Carma“-Datenbank (Carbon Monitoring for Action) liefert Listen, sortiert nach Ländern, Regionen und Energiekonzernen.
Wie zu erwarten rangieren die USA mit 2,79 Milliarden Tonnen CO 2 auf Platz 1. China auf Platz 2 wird die USA jedoch binnen kurzer Zeit überholen. Deutschland steht mit 356 Millionen Tonnen aus Kraftwerken auf Platz 6. Die Schwellenländer verfügen allerdings, bezogen auf den CO 2 -Ausstoß, über die größten Einzelanlagen. Die drei größten stehen in China, Südkorea und Taiwan. Es folgen russische, weitere chinesische und taiwanesische, indische, japanische und südafrikanische Kraftwerke. Als zehntgrößtes Kraftwerk rangiert das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in der Lausitz. Erst auf Platz 20 findet sich ein US-Kraftwerk. Vor allem also die Schwellenländer folgen beim Kraftwerksbau der Devise „Klotzen, nicht kleckern“.
Die Datenbank solle, so Projektleiter David Wheeler, Emissionen transparent machen und Planern, Umweltgruppen und Konsumenten die Basis für die zukünftige Energiegewinnung aus CO 2 -freien Energien liefern. Abgesehen von der Tatsache, dass der Ausbau der regenerativen Energien nicht immer konfliktfrei verläuft, hat die CGD-Datensammlung in einem weiteren Punkt nur eine begrenzte Relevanz. Denn die absolute Menge an Emissionen aus einem Kraftwerk sagt nichts über dessen CO 2 -Effizienz: Ein riesiges modernes Kraftwerk ist mit Blick auf den Klimawandel allemal günstiger als mehrere kleine, aber technisch überholte.
Ergänzende Informationen aus anderen Studien tragen Weiteres zur Erhellung bei. So hat das World Resources Institute die CO 2 -Produktion pro Kopf und Jahr auf Länderebene berechnet. Hier dominieren die Golfstaaten, etwa Katar und Kuwait, mit 23 bis 44 Tonnen an der Spitze, es folgen unter anderen Luxemburg (22,8), die USA (19,9), Kanada und Australien (17,2), Russland (10,9), Japan (9,9), die EU 25 (8,8). Weit unten rangieren China (3,5), Indien (0,5) und der Tschad (0,01).
Was die CO 2 -Effizienz der fossilen Energieträger betrifft, so hat die Umweltorganisation WWF im Mai 2007 Zahlen zu europäischen Kraftwerken veröffentlicht. Danach stehen sechs der zehn „schmutzigsten“ Anlagen der EU in Deutschland, allesamt Braunkohlekraftwerke. Platz 3, 5, 6 und 7 belegen die RWE-Kraftwerke Niederaußem, Frimmersdorf, Weisweiler und Neurath in Nordrhein-Westfalen, Platz 4 und 10 die Vattenfall-Anlagen Jänschwalde und Boxberg. Negativspitzenreiter der EU ist das griechische Kraftwerk Agios Dimitrios.





