Klimawandel

Häuser viel schlimmer als Autos

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Foto: Luo San / picture-alliance / IMAGINECHINA/

Vor allem in Asien schreitet die Verstädterung rasant voran: Allein in China sind binnen 25 Jahren 300 Millionen Menschen vom Land in große Städte gezogen. Als Folge entstehen neue energiehungrige Megastädte, die immer mehr Kohlendioxid produzieren. Experten fordern ein Umdenken im Städtebau.

Die mit der Verstädterung Asiens wachsende Luftverschmutzung erfordert aus Sicht des Architekturprofessors Volker Hartkopf das verstärkte Bauen von Niedrigenergiehäusern. „Wir müssen uns um die Automobile kümmern, aber das Bauen ist viel schlimmer beteiligt am Klimawandel“, sagte der deutsch-amerikanische Bauexperte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Hannover. Der Kohlendioxidausstoß in Asien habe sich in den letzten 25 Jahren unter anderem wegen der veränderten Siedlungsstrukturen verdreifacht. „Die Verstädterung ist nicht aufzuhalten“, sagte Hartkopf, aber sie könne nicht so weitergehen wie bisher.

Hartkopf, der seit 35 Jahren an der Carnegie Mellon Universität im US-amerikanischen Pittsburgh forscht, hat ein Niedrigenergiehaus mit eigener Energieerzeugung entwickelt. Aus der dabei anfallenden Abwärme soll ein Überschuss an Energie zur Versorgung benachbarter Häuser entstehen. Solaranlagen auf dem Dach sollen sowohl zum Heizen als auch zum Betrieb von Klimaanlagen im Sommer verwendet werden. Hartkopf plädiert für flexibel errichtete Gebäude, die sich technischen Neuerungen und veränderter Nutzung anpassen können und energetisch effizient gebaut sind.

Allein in China seien binnen 25 Jahren 300 Millionen Menschen vom Land in große Städte gezogen, eine ähnlich große Bevölkerungsmasse stehe an der Schwelle, dasselbe zu tun, sagte der Forscher. „Der zusätzliche Stromverbrauch ist so groß, dass man jedes Jahr einen neuen Drei-Schluchten-Damm braucht.“ Wenn die wachsenden Großstädte weiter auf herkömmliche Weise beheizt und mit Klimaanlagen versorgt würden, treibe dies die Überhitzung der Atmosphäre weiter an. Das Anwachsen der Großstädte im arabischen Raum mit steigendem Energieverbrauch könne dazu führen, dass selbst den ölreichen Ländern keine Energieressourcen zum Export verblieben.

Um auf den Klimawandel aus städtebaulicher Sicht zu reagieren, forderte Hartkopf die Entwicklung eines „Grünen Bauhauses“. Es solle die Arbeit von Architekten, Ingenieuren und anderen Berufsständen vernetzen, um neuartige Gebäude zu konzipieren. „Man sollte konkrete Schritte tun, statt sich gegenseitig vor den Kopf zu stoßen“, sagte Hartkopf mit Blick auf die Klimadebatte auf dem bevorstehenden G8- Gipfel. Finanziert von der Transatlantischen Brücke arbeitet er an einem deutsch-amerikanischen Expertenaustausch zu umweltgerechtem Bauen. Hartkopf äußerte sich anlässlich einer Fachtagung in Rehburg- Loccum bei Hannover.