Mit Blick auf den weit entfernten Mond, mit einem zweiten Blick auf die Lage der Nation hat der Präsident sich entschieden. Es der große, der umstrittene Entschluss zu etwas, dass es in der Geschichte der amerikanischen Raumfahrt noch nicht gegeben hat: Präsident Barack Obama will, dass amerikanische Raketentechnik, dass auch der Start von US-Astronauten ins All von der Nasa in private Hände, an private Unternehmen übergeht – der Kosten wegen. Damit ist die Privatisierung endgültig auch im Weltraum angekommen.


Nach der Entscheidung des Präsidenten hat jetzt die amerikanische Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa fast 50 Jahre nach dem Start ihres ersten Astronauten ins All das Ruder hart beigedreht. Die von Präsident George W. Bush 2004 angekündigte neue Mondmission von US-Astronauten, einschließlich der neuen Raketen und Raumfahrzeuge wird jetzt abgelegt, zu den Akten. Zu einem Zeitpunkt, da der amerikanische Finanzminister ein Rekord-Defizit von 1600 Milliarden Dollar bilanziert, hat Obama die Notbremse gezogen. In seinem Etat-Entwurf für das neue Haushaltsjahr sind keine Mittel mehr für die kostspieligen Weltraum-Pläne seines Amtsvorgängers vorgesehen. Darauf hat die Nasa sofort reagiert.


Schon am 1. Februar, unmittelbar nach der Vorlage des neuen Haushalts, zeigte die Nasa sich als erstes einmal spendabel. 50 Millionen Dollar gingen an private Weltraumfirmen – von Boeing (18 Millionen Dollar) bis hin zur Paragon Space Development Corporation (1,4 Millionen Dollar) –, um „die Kapazitäten des kommerziellen Sektors beim Transport von Astronauten auf die niedrige Erdumlaufbahn zu fördern“.


Diese Finanzspritze täuscht allerdings nur beiläufig Interessierte darüber hinweg, dass die nicht ganz dumme Idee, die Industrie bei der Versorgung der Internationalen Raumstation ISS und dem regelmäßigen Austausch ihrer Besatzung einzuschalten, sich schon eine ganze Weile in der Praxis wiederfindet – und das mit weitaus bedeutenderen Summen als nur 50 Millionen Dollar. So steht bereits jetzt die erste für die kommerzielle Raumstations-Versorgung geplante Rakete auf der Abschussrampe in Cape Canaveral. Startklar ist dieser Raketentyp zwar noch nicht. Aber das erste Exemplar wird derzeit für den Jungfernflug vorbereitet.



Immerhin hatte die Nasa schon 2006 unter der Programmbezeichnung COTS (Commercial Orbital Transportation Services) die Industrie angespornt, sich ins Zeug zu legen mit Kapseln und Transportraketen zur Versorgung der Raumstation – und schon vor vier Jahren war klar, dass auch der Verkehr zwischen ISS und der Erde nach dem Ende des Space Shuttle in private Hände übergehen könnte.


Zwei Jahre später, 2008, hatten dann zwei Firmen den Zuschlag der Nasa erhalten: Die Space Exploration Technologies, kurz Space X in Kalifornien sowie die Orbital Science Corporation, kurz Orbital in Virginia. In beiden Verträgen ging es um Milliarden-Summen. In einem dieser sogenannten Space Station Resupply Services-Abkommen ist vereinbart, dass die Firma Space X mit ihrer neuen Rakete Falcon 9 bis 2015 zwölf Versorgungsflüge zur ISS zu bewerkstelligen habe, für insgesamt 1,6 Milliarden Dollar.


Die 55 Meter lange und mehr als 330 Tonnen schwere Zweistufen-Rakete mit einem Durchmesser von dreieinhalb Metern ist bereits auf der Cape Canaveral Air Force Station in Florida eingetroffen. Sie wird derzeit zusammenmontiert und überprüft. Der Antrieb der ersten Stufe ist dabei aus neun Merlin-Triebwerken zusammengesetzt. Dieser Merlin-Raketenmotor ist eine Eigenentwicklung von Space X. Er wird auch in die zweite Stufe der Rakete eingebaut.


Der erste Start der Falcon 9 könnte zwar bereits im März stattfinden. Wahrscheinlich ist der Erstflug allerdings erst im späteren Frühjahr. Auf ihrer Spitze trägt die Falcon das Raumfahrzeug Dragon. Es soll nicht nur Fracht aufnehmen, sondern später – in einer anderen Version – auch Astronauten befördern. Der Dragon wiegt drei Tonnen, ist sieben Meter lang, bei einem Durchmesser von 3,6 Metern. Die neue, privat entwickelte und gebaute Falcon 9 soll zehn Tonnen Nutzlast auf die niedrige Erdumlaufbahn schleppen können.


Ein Start wird etwa 30 Millionen Dollar kosten – ein Schnäppchenpreis. Auf dem internationalen Raketen-Markt sind Raketen dieser Gewichtsklasse derzeit nur um die 100 Millionen Dollar zu haben. Schon zeigen sich die ersten Zeichen des Wettbewerbs – die neidische Konkurrenz setzt unter Unkenrufen die Behauptung in die Welt, Space X werde seine neue Rakete nie und nimmer zu diesen Kosten ins All kriegen.


Unter Umständen könnte jedoch Orbital, der zweite Vertragspartner der Nasa, auf ganz ähnlich günstige Startpreise kommen. Die neue Taurus II von Orbital wird zwar mit 26 Metern nur etwa halb so groß werden wie die konkurrierende Falcon 9. Aber Orbital behauptet, dass ihre Rakete dennoch bis zu 7,2 Tonnen Nutzlasten schultert – bis in die niedrige Erdumlaufbahn. Auf ihrer Spitze wird sie das Raumfahrzeug Cygnus tragen.


Der Vertrag mit der Nasa sieht acht ISS-Versorgungsflüge vor zwischen 2011 und 2015. Dafür gibt es 1,9 Milliarden Dollar. So zeichnet sich ein kommerzieller Wettlauf privater Konkurrenten um die Versorgung der Raumstation ISS ab.