Das erste Raumschiff der US-Luftwaffe hat seine Feuertaufe bestanden: Am frühen Freitagmorgen startete das geheimnisumwobene Space Plane erfolgreich zu seinem Testflug im All. Vom militärischen Teil des Weltraumbahnhofs Cape Canaveral im Bundesstaat Florida wurde das unbemannte Mini-Shuttle von einer Atlas-V-Rakete um 01.52 Uhr MESZ in den Orbit befördert.
Der Start glückte einem Sprecher der US Air Force zufolge direkt zu Beginn des neunminütigen Zeitfensters, das dafür einkalkuliert war. Bis dahin war von dem lange verhüllten Testraumschiff nur die Nasenspitze zu sehen. Es sieht aus wie die Mini-Version eines Space Shuttles – es hat eine Länge von rund 8,9 Metern und mit seinen Stummelflügeln eine Spannweite von knapp 4,5 Metern. Das cirka fünf Tonnen schwere Raumaschiff soll eine Nutzlast von 540 Kilogramm transportieren können.
Der unbemannte Weltraumgleiter X-37-B wurde in den vergangenen zehn Jahren unter strengster Geheimhaltung entwickelt. Die Raumfähre kann mit einem Labor zur Erprobung von Materialien und Technologien im All ausgerüstet werden, wie die Luftwaffe jüngst in einer Erklärung mitteilte.
Ein Sprecher der US Air Force, die gemeinsam mit der DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) das Geheimprojekt X-37-B betreut, teilte mit, sollen beim Jungfernflug des Militärshuttles zunächst die Navigations- und Flugleitsysteme, Materialien und Dichtungen geprüft werden. Die Raumfähre soll im Orbit ihre Ladebucht öffnen und ihre Sonnensegel entfalten.
Zu einem nicht genannten Zeitpunkt ist eine Landung des X-37-B auf dem kalifornischen Luftwaffenstützpunkt Vandenberg geplant. Es wurde jedoch gesagt, dass der Raumgleiter bis zu 270 Tage im erdnahen Weltraum – in Höhen zwischen 200 und 800 Kilometer – operieren könnte. „Ehrlich gesagt, wissen wir nicht sicher, wann es zurückkommt“, sagte der für Raumfahrt-Programme zuständige stellvertretende Luftwaffen-Staatssekretär Gary Payton.
Die vollautomatisierte Landung ist dann auf der Air-Force-Basis Vandenberg in Kalifornien vorgesehen. Danach soll das „Space Plane“ in nur 10 bis 15 Tagen wieder einsatzbereit sein. „Wenn wir den Vogel zurückhaben, sehen wir, wie lange es wirklich dauert, bis wir ihn wieder fit haben“, sagte Payton. Seine Energie beziehe er aus Solarzellen und Batterien.
Darüber, welche militärischen Missionen mit dieser vergleichsweise geringen Zuladekapazität möglich sein werden, kann bislang nur spekuliert werden. Offizielle Angaben gibt es dazu nicht.
Eine naheliegende und mehrfach geäußerte Vermutung ist allerdings, dass die X-37-B als Weltraumdrohne zum Einsatz kommen könnte, um strategisch wichtige Ziele überall auf der Welt aufzuklären. Gary Payton sprach von einer „potenziellen Flotte“ von X-37-Raumschiffen. Militärexperten dürfen jetzt über die Einsatzmöglichkeiten grübeln.
Seit über zehn Jahren ist an dem auch als Orbital TestVehicel (OTV) genannten Raumschiff gearbeitet worden. Angefangen wurde das Projekt in den späten 1990er Jahren zunächst von der zivilen Raumfahrtbehörde Nasa. 2004 übernahm dann das Militär - zusammen mit dem Hersteller, der Boeing-Abteilung „Phantom Works“. Die Luftwaffe hat bereits einen zweiten X-37B-Orbiter bestellt.




