Bislang gibt es zwar schon Astronauten, Kosmonauten und Taikonauten – wobei ihre unterschiedliche Bezeichnung auf ihre jeweilige nationale oder regionale Zugehörigkeit zurückzuführen ist. Jetzt aber bereitet sich die Nasa darauf vor, eine völlig neue Klasse von Weltraum-Arbeitern ins All zu schicken, die so genannten Robonauten („robonauts“) – mechanische Roboter-Astronauten.
Der erste künstliche Astronaut, so die Luft- und Raumfahrtbehörde, soll im kommenden September beim Unternehmen STS-133 ins All gebracht werden, dem 134. und letzten Flug eines US-Raumtransporters – falls das Programm nicht doch noch eine Verlängerung erfährt.
Der neue Weltraum-Kamerad kommt mit etwa 136 Kilogramm recht schwer daher, ist durchaus menschenähnlich mit Kopf, Oberkörper, Armen, Händen und Fingern; ihm fehlt allerdings der Unterkörper.
Die Nasa, die den automatischen Astronauten zusammen mit dem Auto-Hersteller GM entwickelte, hat mit ihrem „Robonaut 2“ oder R2 viel vor. „Der gewandte Roboter sieht nicht nur wie ein Mensch aus“, ließ sie verlauten, „er ist vielmehr auch so konzipiert, dass er wie ein Mensch arbeiten kann.“
Damit nicht genug, sei er auch in der Lage, „mit seinen menschlichen Armen und Händen nachgebauten Gliedmaßen dieselben Werkzeuge zu benutzen wie die übrige Mannschaft auf der ISS (International Space Station).“ Seine feinmotorischen und sensorischen Fähigkeiten gingen weit über die aller früheren humanoiden Roboter hinaus.
In Zukunft, so die Nasa, könnten menschenähnliche Roboter unter Umständen selbst Aufgaben unternehmen, die „zu schwierig oder zu gefährlich“ für Menschen seien.
Noch ist es allerdings nicht so weit. Erst einmal muss R2 jetzt seine Weltraum-Tauglichkeit an Bord der Raumstation beweisen. Er soll zeigen, dass er Schwerelosigkeit, Vakuum, Vibrationen und Strahlungen klaglos übersteht. Auch seine elektromagnetische Verträglichkeit mit zahlreichen elektronischen Systemen und Apparaturen an Bord muss überprüft werden.
Ebenso hat Robonaut 2 bislang noch keinen Schutz vor den extremen Temperatur-Schwankungen im Weltraum. (Bevor er nicht einen passenden Mantel geschneidert bekommt, darf der Kunstmensch also nicht die schützende Hülle der ISS verlassen. )
Dennoch kann der neue Weltraum-Roboter schon jetzt beachtliche Vorschuss-Lorbeeren einheimsen. Dieses neue Weltraum-Projekt zeige in beispielhafter Weise, dass „einer zukünftigen Roboter-Generation sowohl im Weltraum als auch am Erdboden eine bedeutende Rolle“ zukomme, meint etwa John Olson, Leiter des Nasa Exploration Systems Integration Office in Washington, „und zwar nicht als Ersatz für Menschen sondern als Mitarbeiter bei der Erledigung selbst wichtigster Aufgaben.“
Das gemeinsame Potential von Menschen und Robotern im All sei „ein schlagendes Beispiel dafür, dass die Summe mehr ist als ihre einzelnen Teile“, fügt er hinzu, „dies wird uns erlauben, weiter zu gehen und mehr zu erreichen, als wir uns heute noch vorstellen können.“
Auch bei GM freut man sich über den künstlichen Astronauten. Das extrem gründliche Testprogramm, das Robonaut 2 durchlaufen habe, sei beispielgebend für die Automobil-Produktion, gab jetzt Alan Taub zu Protokoll, Vize-Präsident der Forschungs-Abteilung von GM. „Die gemeinsame Arbeit, die GM- und Nasa-Ingenieure jetzt geleistet haben“, so Taub, „trägt dazu bei, dass Weltraumforschung, Straßenverkehr und Automobil-Produktion in Zukunft noch sicherer werden dürften.“
DW




