Die startet Nasa eine Weltraummission der besonderen Art. Diesmal geht es nicht aufwärts zu den Sternen, sondern hinab in die Tiefe. 4,5 Kilometer vor Key Largo, der nördlichsten Insel der Key-Inselkette im Süden Floridas, sollen vier amerikanische Astronauten (Chris Hadfield, Thomas Marshburn, Andrew Abercromby, Steve Chappell) und zwei sachkundige Begleiter für zwei Wochen auf den Meeresboden abgesenkt werden. In 20 Meter Wassertiefe wurden dort schon im Oktober 2009 Modelle eines Mond- oder Planetenlanders installiert, dazu ein Mondfahrzeug und ein kleiner Kran - alle Geräte ungefähr in einer realistischen Größe.

Der Aufbau dieser maritimen Marsstation erfolgte in der Nähe des weltweit einzigen Unterwasserlabors, des von der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) und der University of North Carolina betriebenen Labors "Aquarius". Dieses besteht im Wesentlichen aus einem 14 Meter langen und 75 Tonnen schweren Stahlzylinder mit einem Durchmesser von drei Metern. In dem Modul sollen die vier Aquanauten in den kommenden zwei Wochen wohnen. Zwischendurchurlaube an der Wasseroberfläche sind währen der Mission nicht vorgesehen.

Eben mal so auftauchen, wäre ohnehin gar nicht möglich, erklärt der Chefaquanaut Chris Headfield. Bei einer schnellen Druckänderung wäre es "wie beim Öffnen einer Coca-Flasche. Das im Blut gelöste Gas würde aufschäumen und dich wahrscheinlich töten."

Von "Aquarius" aus sollen die Astronauten Tag für Tag ihr Unterwassertraining aufnehmen. Dabei geht es der Nasa, anders als bei früheren Unternehmen dieser Art, erstmals darum, Arbeiten absolvieren zu lassen, die auf Astronauten nach der Landung auf Mond, Mars oder einem Asteroiden zukommen würden.

So soll etwa trainiert werden, wie ein mehr als vier Meter langer und zweieinhalb Meter hoher Rover, eine Art Mondauto, aus dem Lander ausgeladen wird. Der Lander-Mock-up selbst ist dabei etwa neun Meter hoch und erreicht eine Breite von 14 Metern. Das Ausladen erfolgt mithilfe eines kleinen, drei Meter hohen Kranes.

Außerdem sollen neu entwickelte Raumanzüge daraufhin überprüft werden, ob sie für Rover-Fahrten auf Mond, Mars oder Asteroiden praktikabel wären.

Auch eine weitere Möglichkeit der Weltraumsimulation am Meeresboden will die Nasa nutzen. Ohne Ballast würden die Astronauten automatisch an die Wasseroberfläche aufsteigen. Indem man nun diesen Ballast von Fall zu Fall verschieden schwer macht, kann man für die Astronauten auch unterschiedliche Schwerkräfte simulieren, denen sie auf kleineren oder größeren Himmelskörpern ausgesetzt sein würden. So wären sie auf einem kleinen Asteroiden erheblich leichter als auf Mond oder gar Mars.

Erstmals will man auch trainieren, wie man fern der Erde verunglückte Astronauten am besten auf einem Rover verstaut und für den Rückflug zur Erde zum Lander zurücktransportiert. Daneben stehen eine Reihe medizinischer und psychologischer Fragestellungen auf der Arbeitsliste der Astronauten.

Sollten Hadfield und seine Aquanauten-Kollegen unter Wasser in Gefahr geraten, könnte man allerdings - anders als im Weltraum - das Forschungsprojekt sofort stoppen. Das wäre zum Beispiel auch dann der Fall, wenn das Öl der im Golf von Mexiko untergegangenen Ölplattform "Deepwater Horizon" bis zu ihnen vordringen sollte.

"Wir sind zwar sehr an der Wissenschaft interessiert", kommentiert Hadfield, "das heißt aber nun nicht, dass wir auch jedes unangemessene Risiko auf uns nehmen."