Unter anderem sind an der Lungenerkrankung Sars, die 2003 auftrat, Coronaviren schuld, die in Fledermäusen in Afrika und Asien weitverbreitet sind. "Man fragt sich momentan, ob die Fledermäuse der Wirt aller Coronaviren sind", skizziert der Virologe Christian Drosten von der Universität Bonn den Stand der Diskussion. Insgesamt gibt es mehr als 20 Spezies dieser Virusgattung.

Infektionsforscher Eric Leroy vom medizinischen Forschungszentrum in Franceville in Gabun brachte 2005 den Stein ins Rollen, als er in drei Flughundarten auf Ebolaviren stieß. Im Umfeld der Tiere brach die Seuche wiederholt unter Menschen aus. Nach schwerem Fieber verbluten die Erkrankten meist innerlich. Bis dahin ging man davon aus, dass das Virus ausschließlich in Nagetieren und Mücken vorkommt. Auf Fledertiere kam niemand. Mit einem Mal interessierten sich nun Mediziner für sie: Kürzlich wies Drostens Team in afrikanischen Flughunden Hendra- und Nipahviren nach, die schwere Hirnhautentzündungen verursachen. Die Mitarbeiter tragen Handschuhe und Mundschutz, wenn sie einem Tier Blut abnehmen.

Der Bonner Virologe hat sogar Indizien dafür gesammelt, dass die Erkältungsviren vor 200 Jahren aus Fledermäusen ihren Weg in den Menschen fanden und womöglich einer Sars-ähnlichen Erkrankungswelle brachten. Bislang hielt man Schnupfenerreger für jahrtausendealte Begleiter. Dass sie ein relativ junger Neuzugang sind, würde erklären, warum das Immunsystem noch immer nicht in der Lage ist, einen dauerhaften Schutz aufzubauen. "Die Fledermäuse sind eine große Durchreichstation für Erreger", fasst Drosten zusammen. Er rechnet damit, dass eine Reihe von bedeutsamen Viren, deren Ursprung noch ungeklärt ist, auf die Tiere zurückgeführt werden kann.

Klar ist: Was sich in Zwei- und Vierbeinern tummelt, kann auch Menschen krank machen. Krankheiten tierischen Ursprungs (Zoonosen) werden immer relevanter. Die Forscher klammerten sich gleichwohl an Mücken als Überträger von Keimen, oder sie klopften Nutztiere auf Gefahren für neue Seuchen ab. Wildtiere kamen den Experten kaum in den Sinn, am allerwenigsten Fledertiere, gerade weil sie in den Industrieländern ein Leben im Verborgenen führen.

Im Nachhinein fällt es Infektionsforschern wie Schuppen von den Augen. Fledermäuse sind wie wir Säugetiere und Warmblüter. Sie stehen uns also genetisch weit näher als etwa Hühner. Damit können auch ihre Bewohner leicht zum Wirt Mensch wechseln. Fledertiere sind mit 1100 Arten noch dazu die zweitgrößte Säugetierordnung nach den Nagern. In Schwärmen von bis zu drei Millionen Tieren überziehen sie in Afrika und Asien des Nachts den Himmel.

Wie die Viren jedoch von ihnen auf den Menschen übertragen werden, ist eines der großen ungelösten Rätsel. Vielleicht scheiden die Tiere die Erreger mit dem Urin aus. Bei Hendra- und Nipahviren wies Drosten das nach. Über verunreinigte Flächen und Nahrung könnten sie in den Menschen dringen. In Afrika werden Fledermäuse zudem als "Bushmeat" zum Verkauf und Verzehr angeboten. Auch das könnte ein Übertragungsweg sein.

Möglich wäre auch, dass fruchtfressende Fledermäuse die Erreger mit ihrem Speichel weiterreichen. In aller Regel fressen sie die Früchte nicht auf, sondern knabbern sie nur an. Menschen verzehren dann beispielsweise angebissene Feigen, und die Viren gelangen in ihren Körper. Ausrotten darf man die Tiere allerdings auch nicht, sagt Drosten. Denn die Tiere haben eine wichtige Rolle im Ökosystem.

Bäume würden in Afrika über Nacht kahl gefressen, wenn die fliegenden Säuger nicht Schadinsekten vertilgten, wie die Ökologin Elisabeth Kalko von der Universität Ulm sagt. "Auch bei uns steigen die Blattschäden dramatisch an, wenn wir Bäume auf der Schwäbischen Alb von Fledermäusen abschirmen." Ebenso würde die Zahl der Moskitos in Afrika ohne Fledermäuse explodieren und die Malariaplage unvorstellbare Ausmaße annehmen.