Tiere

Fledermäuse rufen sich nette Nistplätze zu

Amerikanische Haftscheibenfledermäuse benutzen ein Frage-und-Antwort-System, um ihre Bekannten darauf aufmerksam zu machen, dass sie einen hübschen Ruheplatz gefunden haben – müssen sie doch jeden Tag umziehen. Das haben US-Biologen entdeckt, als sie in Costa Rica einige der kleinen Flugsäuger beobachteten.

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Das Prinzip: Die in kleinen Gruppen lebenden Fledermäuse nutzen zum Schlafen ausschließlich aufgerollte Blätter von Bananenstauden oder ähnlichen Pflanzen. Da diese Ruheplätze nicht besonders langlebig sind, müssen sich die Tierchen praktisch jeden Tag einen neuen Unterschlupf suchen. Dazu schwärmen die Gruppenmitglieder einzeln aus und stoßen im Flug ganz bestimmte Frage-Laute aus. Sind ihre Kollegen bereits fündig geworden, reagieren diese mit einem speziellen Antwort-Ruf darauf, der den Suchenden den Weg zum Ruheplatz zeigt. Das schreiben Gloriana Cheverri von der Boston University und ihre Kollegen in den „Biology Letters“ der britischen Royal Society.

Wer an Lautäußerungen bei Fledermäusen denkt, dem kommen wohl hauptsächlich die zum Navigieren per Echolokation verwendeten Schreie in den Sinn. Doch die fliegenden Säugetiere haben noch mehr Kommunikationsmittel auf Lager: Sie besitzen je nach Art ein zum Teil recht umfangreiches Repertoire an Lauten, das ausschließlich sozialen Zwecken dient. Einige der Rufe sollen beispielsweise Partner anlocken, manche helfen, den Kontakt zwischen Mutter und Kind zu halten, und wieder andere warnen Artgenossen vor Gefahren.

Cheverri und ihre Kollegen konnten nun einen weiteren Einsatzbereich solcher Laute identifizieren: die Wohnungsvermittlung. Die Wissenschaftler hatten dazu im März 2009 Haftscheibenfledermäuse in Costa Rica eingefangen und jeweils ein Gruppenmitglied in ein zuvor ausgewähltes aufgerolltes Blatt gesetzt, wie sie typischerweise von den Fledertieren zum Schlafen benutzt werden. Ein anderes Mitglied derselben Gruppe wurde dann freigelassen und beobachtet. Gleichzeitig zeichneten die Forscher alle Lautäußerungen der im Blatt hockenden und der umherfliegenden Tiere auf.

Die freigelassene Fledermaus beginnt offenbar sofort, nach ihren Bekannten zu suchen, und stößt dazu gezielt ganz bestimmte Laute aus, die die Forscher als Frage-Rufe bezeichnen. Die Antwort der im Blatt hockenden Tiere erfolgt mit nur Sekundenbruchteilen Verzögerung fast augenblicklich, entdeckten die Wissenschaftler. Die Antwort-Rufe dirigieren die suchenden Fledermäuse anscheinend zum Ruheplatz, denn die Testtiere kletterten in der Mehrheit der Fälle nur dann in dasselbe Blatt, in dem schon ihr Kollege sitzt, wenn sie zuvor eine Antwort auf ihre Anfrage erhalten hatten.

Für derartig kleine Tiere - diese Fledermäuse sind nur wenige Zentimeter lang - erscheint ein solches System sinnvoll, schreiben die Forscher: Es hilft, die Gruppe während der Ruhephasen zu vergrößern und ermöglicht so eine bessere Verteidigung, eine bessere Versorgung der Jungtiere und eine effizientere Futtersuche.