Biologie

Jetzt wird das Kamel optimiert

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Axel Büssem

Foto: picture-alliance / Bildagentur H / Huber

Helmut Torner hat sich eigentlich einen Namen als Experte für heimische Nutztiere gemacht. Er befasst sich mit Fragen der Milchproduktion von Kühen und der Qualität von Schweinefleisch. Nun überträgt der Fortpflanzungsbiologe gemeinsam mit ägyptischen Kollegen sein erworbenes Züchterwissen auf Kamele.

Helmut Torner hat sich eigentlich einen Namen als Experte für heimische Nutztiere gemacht. Am Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN) in Dummerstorf bei Rostock befasst er sich mit Fragen der Milchproduktion von Kühen und der Qualität von Schweinefleisch. Nun überträgt der Fortpflanzungsbiologe gemeinsam mit ägyptischen Kollegen sein erworbenes Züchterwissen auf Kamele.

Die Forscher setzen an der Eizelle an: „Wir wollen herausfinden, was eine entwicklungsfähige Eizelle ausmacht“, erklärt Torner. Bei Rindern wurden auf diesem Gebiet schon große Erfolge erzielt. So ist es heute in der Spitzenzucht schon möglich, die Eizellen einer Kuh so zu stimulieren, dass sieben gleichzeitig reifen, befruchtet werden und die gezeugten Embryonen dann anderen Kühen eingepflanzt werden. So können von einer wertvollen Kuh gleichzeitig mehrere Nachkommen heranwachsen.

Hunderttausende Rinder wurden weltweit so gezüchtet. „Bei Kamelen sind es gerade sechs“, sagt Torner. An der Universität Kafr El Sheikh bei Kairo und in Forschungszentren in Abu Dhabi und Dubai geht es vor allem darum, schnellere Rennkamele zu züchten.

Beim deutsch-ägyptischen Projekt steht die Grundlagenforschung im Vordergrund. Denn die genügsamen Tiere sind auch wichtige Nutztiere. „Bei uns gibt es viele Wüsten, und das Kamel ist das einzige Tier, das drei Monate lang, ohne zu fressen und zu trinken, Waren transportieren kann. Kamelmilch wird heilende Wirkung bei vielen Krankheiten zugesprochen, und das Fleisch ist sehr schmackhaft“, sagt Bassiouni Heleil aus Kafr El Sheikh. Das Fleisch wird vor allem im Kairoer Kamelschlachthof produziert, einer von drei Schlachthöfen für diese Tiere weltweit.

„Wir haben herausgefunden, dass eine spezielle Färbemethode, durch die wir beim Rind entwicklungsfähige Eizellen bestimmen können, auch beim Kamel funktioniert“, sagt Torner. In einem nächsten Schritt sollen nun die Gene dieser „guten“ Eizellen untersucht werden. Dafür ist es nötig, die Zellen gefroren per Kurier nach Deutschland zu bringen. Vorher muss allerdings noch ein Problem gelöst werden: In den aus Ägypten eingeflogenen Proben mit Eizellen finden die Forscher immer wieder Sandpartikel, die auf den Objektträgern stören, und auch Fremd-DNA. „Bei der bisherigen Arbeit war das kein Problem, aber für die genetischen Untersuchungen müssen die Proben rein und frei von fremder DNA sein.

„Wir erwarten uns von dieser Forschungsarbeit auch Fortschritte bei unseren heimischen Nutztieren. Zum anderen ist sie ein Beitrag zur Entwicklungshilfe, weil das Kamel ein wichtiges Nutztier in den armen Regionen der Welt ist“, sagt Gerhard Rech, Leiter des Forschungsreferats des Bundeslandwirtschaftsministeriums, das die Forschung fördert.