Raumfahrtgeschichte

Seit 40 Jahren kennen wir den Mond von hinten

Die spektakulärsten und teuersten Weihnachtsgrüße aller Zeiten kamen im Dezember 1968 direkt vom Mond. Sie überbrückten eine Entfernung von über 380.000 Kilometern in nur 1,3 Sekunden und waren der Höhepunkt einer halbstündigen Live-Sendung, die weltweit von 500 Millionen Fernsehzuschauern verfolgt wurde.

Just zum Weihnachtsfest vor 40 Jahren, am 24. Dezember 1968, hatte das US-amerikanische Raumschiff „Apollo 8“ nach dreitägiger Reise den Mond erreicht. An Bord waren die drei US-Astronauten Frank Borman, William Anders und James Lovell. Sie sahen als erste Menschen die Rückseite des Mondes. Und sie waren die ersten, die die Erde komplett als Kugel sahen: „Eine grandiose Oase in der weiten Wüste des Alls“, schwärmte Lovell. Die Erde wirke wie ein heller Juwel auf schwarzem Samt.

Zehnmal umrundete „Apollo 8“ den Mond. Unter sich sahen die Astronauten bizarre Felslandschaften und kraterübersäte Staubwüsten. „Sieht aus wie Gips oder wie gräulicher Strandsand“, kommentierte Kommandant Frank Borman. Mehrfach erlebten sie den Wechsel von Tag und Nacht auf dem Mond. Und sie wurden erstmals Zeugen des Schauspiels von „Erd-Aufgängen“ – wenn sich der blaue Planet über den trostlosen Horizont erhob. Die Bilder gingen um die Welt.

Bei ihrer letzten Mondumkreisung meldeten sich die Astronauten per Fernsehkamera auf der Erde. Kommandant Borman schilderte, wie die Besatzung den Heiligabend verbracht hatte: mit Experimenten, Mondfotos und dem Überprüfen der Bordsysteme. In die Live-Bilder eines lunaren Sonnenaufgangs hinein verlasen die Mondfahrer in verteilten Rollen den biblischen Schöpfungsbericht: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde ... Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht.“ (Genesis 1).

Die TV-Übertragung endete mit den Worten: „Gute Nacht, viel Glück und fröhliche Weihnachten. Gott schütze euch alle, euch alle auf der guten Erde.“ Drei Tage später landete die Raumkapsel südlich von Hawaii im Pazifik.

Der historische Flug von „Apollo 8“ war Teil des Wettlaufs zum Mond, den sich die Supermächte USA und UdSSR in den 60er Jahren lieferten. Im Mai 1961 hatte US-Präsident John F. Kennedy das visionäre Ziel vorgegeben, dass noch bis zum Ende des Jahrzehnts ein Amerikaner den Mond betreten und heil wieder zurückkehren solle.

Garant für die Mondflüge war die turmhohe Saturn 5-Rakete des deutschen Konstrukteurs Wernher von Braun (1912-1977). Zur Landung war eine eigene Mondfähre nötig, die von den Apollo-Raumschiffen mitgenommen werden musste. Im März 1969 wurde sie erstmals in einem Erd-Orbit getestet („Apollo 9“), im Mai 1969 bewältigte „Apollo 10“ dieselben Koppel-Manöver in einer Mondumlaufbahn.

Dienstreisen für 25 Millionen Dollar

Nur zwei Monate später, am 21. Juli 1969, betraten Neil Armstrong und Edwin Aldrin („Apollo 11“) als erste Menschen den Mond. Insgesamt umfasste das Apollo-Programm neun bemannte Mond-Flüge mit jeweils drei Astronauten. Bei sechs Landungen stiegen zwölf Weltraumfahrer aus, dreimal nutzten sie ein Mondauto.

Die Mondlandung von „Apollo 13“ wurde im April 1970 wegen einer Explosion an Bord abgebrochen. Mit viel Glück landete die Crew dennoch sicher auf der Erde – und ein Vierteljahrhundert später in den Kinos: 1995 wurde „Apollo 13“ mit Tom Hanks in der Hauptrolle zum Kassenschlager. Nach „Apollo 17“ Mitte Dezember 1972 wurde das Programm eingestellt.

Insgesamt kosteten die Dienstreisen zum Mond rund 25 Milliarden US-Dollar. Eine Summe, die Kritiker wiederholt nach der Kosten-Nutzen-Relation fragen ließ. Bereits 1965 urteilte der deutsche Physiker und Nobelpreisträger Max Born (1882-1970), die Weltraumfahrt sei „ein Triumph des Verstandes, aber ein tragisches Versagen der Vernunft“. Den Hauptvorwurf, Unsummen von Geld ins All zu schießen, hatte dagegen schon Wernher von Braun stets lakonisch gekontert: Jeder einzelne Cent sei schließlich auf der Erde ausgegeben worden.