EHEC-Keime

Merkel will spanische Bauern entschädigen

Spanische Gurken galten tagelang als Träger der EHEC-Keime. Zu Unrecht, wie sich herausstellte. Die Folgen waren finanzielle Einbußen in Millionenhöhe. Jetzt sollen die spanischen Bauern von der EU entschädigt werden – zumindest, wenn es nach der deutschen Kanzlerin geht.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel zieht nach Angaben der spanischen Regierung in Betracht, auf eine Entschädigung der Europäischen Union für spanische Bauern zu dringen, nachdem deren Produkte fälschlich für den EHEC-Ausbruch in Deutschland verantwortlich gemacht wurden.

Die Regierung in Madrid teilte auf ihrer Webseite außerdem mit, dass Merkel bei einem Telefonat mit dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodriguez Zapatero ihr Bedauern über den angerichteten Schaden ausgedrückt habe. Die Hamburger Behörden, die spanische Gurken als mögliche Ursache für die Infektionen durch den Darmerreger genannt hatten, hätten allerdings in Einklang mit deutschem Recht gehandelt.

Die später zurückgezogene Anschuldigung hatte zu großen finanziellen Verlusten für die spanische Landwirtschaft geführt, offizielle Zahlen wurden noch nicht genannt.

Zapatero habe in dem Gespräch sein Mitgefühl für die Angehörigen der Opfer ausgedrückt. Merkel und er seien sich einig, dass es jetzt vorrangig darum gehen müsse, die Infektionsquelle des EHEC-Erregers zu identifizieren, um weitere Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung ergreifen zu können. Beide vereinbarten laut Regierungssprecher Seibert, sich auf europäischer Ebene um Hilfen für die betroffenen Bauern zu bemühen.

Spanischer Gemüseproduzent fühlt sich zu Unrecht am Pranger

Der spanische Gemüseanbauer Frunet sieht sich unterdessen zu Unrecht von der Hamburger Gesundheitsbehörde belastet. Die Vorwürfe, der lebensgefährliche Erreger sei auf spanischen Gurken gefunden worden, seien verfrüht und nicht richtig gewesen, sagte Frunet-Eigentümer Antonio Lavao. Es gebe nach wie vor keine Anzeichen für eine EHEC-Kontamination in seinem Unternehmen. Alle Proben seien negativ gewesen. Auch darüber hinaus habe es noch nie ein Problem mit Bakterien bei Frunet gegeben.

Durch die Hamburger Vorwürfe sei der Name seines Unternehmens zerstört. „Ich bin gebrandmarkt worden“, sagte Lavao, der auf eine Entschädigung für den entstandenen Schaden hofft. Sein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 15 Millionen Euro produziere derzeit nicht mehr. "Bei uns ist alles dicht“, sagte er weiter. Den Schaden beziffern könne er derzeit noch nicht.

Pro Woche ein Schaden von etwa 200 Millionen

Der Generaldirektor des größten spanischen Ökobauernverbandes, Jose Luis Garcia Melgarejo, sagte, dass ganz Spanien von der Krise betroffen sei. Es entstehe pro Woche ein Schaden von etwa 200 Millionen Euro für die Landwirte.

Nach dem EHEC-Fund an vier Salatgurken in Hamburg hatte die Gesundheitsbehörde der Stadt am 26. Mai Frunet-Gurken als eine erste Infektionsquelle bezeichnet. Wenige Tage später musste die Behörde einräumen, dass bei diesen Gurken zwar ein E.coli-Bakterium nachgewiesen worden sei, dieses aber nicht dem tödlichen Stamm EHEC angehöre.

Spanien hatte daraufhin deutschen Behörden vorgeworfen, bereits vor der Bekanntgabe von Untersuchungsergebnissen spanisches Gemüse für die Verunreinigung mit gefährlichen EHEC-Bakterien verantwortlich gemacht zu haben.

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