Von schweren EHEC-Infektionen sind in Deutschland schon mehr als doppelt so viele Patienten betroffen wie normalerweise im ganzen Jahr: Die Zahl der Erkrankten mit dem meldepflichtigen Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) ist auf 138 gestiegen. Das berichtete der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, dem Gesundheitsausschuss des Bundestags. Burger erwartet ein Abflauen bei den grassierenden EHEC-Infektionen. „An sich muss das jetzt abfallen, das kann nicht weitergehen“, sagte Burger am Rande einer Sitzung des Bundestags-Gesundheitsausschusses. Obwohl ein großes RKI-Team unter Hochdruck versucht, die Quelle des gefährlichen Erregers aufzuspüren, sei kein einzelnes Lebensmittel als solche identifiziert worden. „Es war nicht ein einziges Produkt erkennbar.“ Gülle als Ursache sei „natürlich theoretisch eine Erklärung“, aber dafür gebe es keine Daten.

Im Verdacht stehen derzeit vorbereitete Salatprodukte. Die Leiterin des Hamburger Medilys-Labors, Susanne Huggett, sagte in der ARD: „Im Moment sind Salatprodukte im Fokus.“ Die Quelle sei aber noch nicht gefunden. Ein Sprecher der Asklepios-Kliniken, zu dem das Labor gehört, sagte, es gebe Hinweise auf vorbereitete Salatteile wie etwa in Salatbars. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) warnte vor voreiligen Erklärungen für die rasante Ausbreitung. „Das sind alles Spekulationen“, sagte Aigner am Mittwoch im ARD-„Morgenmagazin“. Es könne noch nicht gesagt werden, welches die Quelle für den Ausbruch dafür sei. Aigner sprach am Mittwoch von einer "bedrohlichen Situation“.

Die Zahl der schwer verlaufenden EHEC-Erkrankungen in Deutschland ist nach RKI-Angaben bis Mittwochmittag auf 138 gestiegen - Vergleich zu 60 bis 70 Fällen sonst im ganzen Jahr. Da Frauen am meisten betroffen seien, liege die Interpretation nahe, dass sie sich bei der Verarbeitung von Lebensmitteln infiziert hätten. Burger sagte, möglicherweise finde man überhaupt keine eindeutige Quelle, etwa wenn die Ursache bei leicht verderblichen Lebensmitteln liege, die bereits verzehrt worden seien. „Im Moment sind die Hygienemaßnahmen das Allerwichtigste“, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Dies betreffe vor allem die Küchenhygiene bei jedem einzelnen.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr rechnet mit einer schnellen Aufklärung der Ursache für die gefährlichen EHEC-Erkrankungen in Deutschland. „Ich bin optimistisch, dass es uns bald gelingen wird, dass die Infektionsursache eingegrenzt wird“, sagte der FDP-Politiker. Die schnelle Zunahme der EHEC-Fälle mit schwerwiegendem Verlauf sei bemerkenswert, sagte Bahr. Auch angesichts der zu beklagenden Todesfälle sei besondere Vorsicht geboten.

Berlin rechnet nicht mit dramatischen Ausbreiten

Auch am Mittwoch wurden wieder neue Verdachtsfälle in Deutschland gemeldet. In Berlin ist die Zahl der Fälle bis zum Mittag konstant geblieben. Weiterhin liegen mindestens fünf Patienten mit dem Verdacht auf eine Infektion mit dem gefährlichen Darmkeim im Krankenhaus. Während im Klinikum Benjamin-Franklin am Dienstagabend ein neuer Patient eingeliefert wurde, hat sich der Verdacht bei einem Patienten im Vivantes Klinikum Friedrichshain nicht bestätigt. Das teilten Sprecher von Charité und Vivantes mit. Zu Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand des neuen Patienten machte der Charité-Sprecher keine Angaben.

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Bis Mitte Mai gab es in Berlin 15 nachgewiesene Erkrankungen durch das EHEC-Bakterium. Ein Kleinkind war schwer erkrankt, ist aber wieder genesen. Bislang wurden in Berlin bis zu etwa 50 EHEC-Erkrankungen jährlich gemeldet.

Die Senatsgesundheitsverwaltung rechnet nicht mit einem dramatischen Ausbreiten der Darmerkrankung in Berlin, wie eine Sprecherin am Mittwoch sagte. Vielmehr sei davon auszugehen, dass vereinzelt bei Reiserückkehrern weitere Fälle auftreten könnten.

Nach Darstellung der Senatsgesundheitsverwaltung tritt die EHEC-Darminfektion seit Jahren immer wieder auf. Im vergangenen Jahrzehnt hätten die Fallzahlen in Berlin zwischen 10 und 56 jährlich gelegen. Todesfälle habe es seit 2001 - seitdem ist die Krankheit meldepflichtig - nicht gegeben.

Infos zum Erreger: So schützen Sie sich vor EHEC und unter www.mugv.brandenburg.de/info/ehec

dapd/dpa/ap