Tiere

Forscher züchten Schweine, die nicht stinken

Bis heute werden Eber in der ersten Lebenswoche kastriert, damit ihr Fleisch später für den Menschen genießbar ist. Dabei geht es um streng riechende Geschlechtshormone. Könnte man die "wegzüchten", müssten die Eber weniger leiden. Der große Durchbruch für eine Impfung ist bislang ausgeblieben.

Das männliche Mastschwein soll weniger leiden. Die qualvolle Kastration während der ersten Lebenswoche soll ihm erspart bleiben. Die ist bisher notwendig, um das Fleisch der Eber genießbar zu machen. Denn die Bestandteile der Eber-Geschlechtshormone produzieren nach dem Erhitzen des Fleisches einen Geruch, der jedes Schweinekotelett ungenießbar macht. Eine Unterbindung der Produktion dieser müffelnden Botenstoffe wäre die Lösung. Daher arbeiten Bonner Forscher jetzt daran, Eber zu züchten, deren Geschlechtshormone solche Gerüche nicht mehr produzieren.

Jedes Jahr werden in Deutschland zwischen 23 Millionen und 25 Millionen männliche Ferkel kastriert - eine Qual für die Jungen. Das Gesetz schreibt dabei keine Schmerz- oder Betäubungsmittel vor. Sprecherin Elke Deininger vom Deutschen Tierschutzbund sagt: "Es muss ein Kastrationsverbot ohne Betäubung in Deutschland geben. Die bisherige Annahme, neugeborene Tiere seien weniger schmerzempfindlich, hat sich als falsch erwiesen."

Die Forscher des Instituts für Tierwissenschaften der Universität Bonn wollen mit genetisch-statistischen Methoden Tiere bestimmen, die für die Zucht eingesetzt werden. Binnen weniger Generationen sollen so geruchsintensive Komponenten eliminiert werden.

Damit die Forscher nicht auf ihre eigenen Riechorgane bei der Kontrolle der Zuchtergebnisse angewiesen sind, soll ihnen eine "elektronische Nase" die Arbeit erleichtern. "Sie zu entwickeln ist das zweite große Ziel unseres Projektes", betont Peter Boeker vom Institut für Landtechnik an der Universität Bonn.

Einfacher erscheint eine andere Lösung: Der US-Pharmahersteller Pfizer hat einen Impfstoff entwickelt, der die Bildung des Ebergeruchs unterbindet und damit auch die Kastration überflüssig werden lässt. Die Zulassung für den europäischen Markt liegt vor, und am 9. Juli soll das Mittel auch in Deutschland eingeführt werden.

"Der Impfstoff reduziert die Bildung und Konzentration der beiden Hauptbestandteile des Ebergeruchs Androstenon und indirekt auch Skatol. "Für eine erfolgreiche Impfung männlicher Schweine sind zwei Impfungen erforderlich", sagt ein Pfizer-Sprecher.

Die Impfung wirkt aber nur ein paar Wochen. Geimpfte Eber müssten spätestens sechs Wochen nach der zweiten Impfung gegen Ebergeruch geschlachtet werden, sagt Deininger vom Tierschutzbund. Denn später seien nicht mehr genügend Antikörper gegen den Botenstoff vorhanden. In der Schweiz allerdings, wo diese Art der Behandlung schon praktiziert wird, ist der Durchbruch bisher ausgeblieben. "Die Impfung hat sich in der Schweiz nicht durchgesetzt, weil große Firmen Vorbehalte haben, geimpftes Fleisch zu verkaufen. Dabei ist es für den Verbraucher ungefährlich", sagt Professor Karl-Heinz Waldmann von der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Deutsche Schlacht- oder landwirtschaftliche Betriebe, die Eber impfen, sollen das QS-Prüfzeichen trotzdem erst einmal nicht erhalten. "QS musste sich einheitlich für ein System entscheiden, und da es auch bei der Impfung gewisse Risiken zu beachten gilt, haben wir uns gegen die Impfung entschieden", sagt der stellvertretende Geschäftsführer Oliver Thelen.