Archäologie

Streit um Grab des Herodes im besetzten Gebiet

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Steve Kirby

Foto: dpa

Ibrahim Abu Aamar ist Archäologieprofessor an der palästinensischen Universität in Abu Dis. Doch eine der spektakulärsten Ausgrabungsstätten seiner Heimat können er und seine Studenten nur als Touristen besuchen, denn das Grab von König Herodes steht unter alleiniger israelischer Kontrolle.

Ibrahim Abu Aamar ist Archäologieprofessor an der palästinensischen Universität in Abu Dis. Doch eine der spektakulärsten Ausgrabungsstätten seiner Heimat können er und seine Studenten nur als Touristen besuchen. Denn das im vergangenen Jahr von Israelis entdeckte Grab von König Herodes liegt in der so genannten Zone C im Westjordanland und steht damit unter alleiniger israelischer Kontrolle.

Der grüne Hügel, auf dem Herodes einst seinen Palast errichten ließ, sieht aus wie ein abgeschnittener Kegel. Drei Jahrzehnte lang erforschte der israelische Archäologe Ehud Nezer von der Hebräischen Universität in Jerusalem Herodium, bis er auf das zweistöckige Mausoleum stieß. Drei Särge fand er darin: In einem soll der Herrscher selbst liegen, in den anderen beiden werden zwei seiner zehn Frauen vermutet.

In der christlichen Welt gilt der jüdische König Herodes als Massenmörder. Das Neue Testament beschreibt ihn in der Weihnachtsgeschichte als Unmensch, der nach der Geburt Jesu alle kleinen Jungen in Bethlehem töten ließ, weil er einen Konkurrenten fürchtete. Die Juden würdigen Herodes den Großen dagegen vor allem als den Wiedererbauer des Tempels in Jerusalem.

„Wir müssen 23 Schekel (rund 4,50 Euro) Eintritt zahlen und dürfen selbst nicht graben“, beklagt sich Abu Amar über den Umgang mit der archäologischen Stätte. „Rechtlich gesehen verstoßen diese Ausgrabungen gegen internationale Gesetze, weil sie in besetztem Gebiet stattfinden.“

Sein israelischer Kollege Nezer sieht sich hingegen im Recht. Solange es kein Friedensabkommen gebe, halte er sich an die bestehenden Regeln, sagt der Archäologe. „Über Dinge, die noch nicht entschieden sind, will ich nicht spekulieren“, antwortet er auf die Frage, ob Herodium eines Tages an die Palästinenser übergeben wird. Auch zu einer möglichen Zusammenarbeit mit palästinensischen Forschern will er sich nicht äußern. „Das wird sich zeigen. In diesem Land lässt sich nur schwer vorhersehen, wie sich die Dinge entwickeln.“

Einstweilen setzen die jüdischen Siedler in der Gegend alles daran, die archäologischen Funde für sich zu nutzen. „In den vergangenen Jahren hat der Rat der Siedler unablässig daran gearbeitet, die Stätte zu erhalten und zu entwickeln, indem wir Millionen von Schekel investierten. Die eine Hälfte ging an die Ausgrabungen von Professor Nezer und die andere Hälfte in den Ausbau der Besucher-Anlagen“, sagt der Bürgermeister der jüdischen Siedlung Gusch Ezion, Schaul Goldstein. „Der Tourismus bringt die Wirtschaft in Schwung“, dies sei angesichts der wachsenden Zahl von Siedlern sehr wichtig.

Durch die Intifada brach die Zahl der jährlichen Besucher von 200.000 auf derzeit 60.000 ein. Goldstein hofft, dass Herodes' Grab wieder mehr Touristen anlockt, die dann in neuen Hotels in den Siedlungen übernachten. Für den Bürgermeister gibt es keine Zweifel, dass der Palast des einstigen jüdischen Königs zu Israel gehört: „Herodium liegt eindeutig auf der falschen Seite der Sperranlage.“