Kriminalistik

Das Salz auf seiner Haut verrät den Täter

Ein britischer Kriminologe kann abgewischte Fingerabdrücke sichtbar machen. Das klappt sogar, wenn der Täter die Spuren verwischt oder mit Seife abgespült hat. Das fragliche Objekt wird vom Kriminologen als Erstes unter Strom gesetzt. Hunderte ungelöster Fälle könnten nun wieder aufgerollt werden.

Foto: CHROMORANGE / chromorange

Dieser Held heißt zwar Bond, jedoch John Bond, und er steht tatsächlich in den Diensten der Polizei Ihrer Majestät. Der Mann hat wirklich eine Heldentat vollbracht, von der allerdings die halbe Welt erst dachte, das sei ein Witz - einer von diesen trockenen britischen Scherzen, wie sie sich die englische Wissenschaft so ein, zwei Mal im Jahr erlaubt. Aber die Bond-Geschichte ist kein Ulk, sie stimmt.

Dieser Bond von der Northamptonshire Police, so berichtet ein Fachjournal in den USA, habe eine sensationelle kriminaltechnische Ermittlungsmethode gefunden. Nach Jahrzehnten noch könne dieser Dr. Bond Fingerabdrücke sichtbar machen. Das klappt sogar, wenn der Täter die Spuren verwischt oder sogar mit Seife abgespült hat. Hilft alles nichts – Dr. Bond bringt sie dennoch wieder hervor, gestochen scharf und gerichtsfest außerdem.

Bond kam dem Verfahren auf die Spur, als er Fingerabdrücke auf Metall untersuchte. Weil die weichen Fingerbeeren durchsetzt sind mit Säuren und Salzen vom Schweiß, korrodieren und ätzen sie ihre verräterischen Reliefs und Linienmuster ins Metall. Das Messer, das der Täter ergriff, das Besteck, mit dem Opfer und Täter zum letzen Mal miteinander tafelten, der schwere Silberleuchter - all das setzt Dr. Bond als Erstes unter Strom. Ähnlich wie bei Tonern in Kopierautomaten setzt sich dabei auch Dr. Bonds feiner Spezialstaub auf dem Corpus Delicti fest - im Muster der Fingerrillen.

Das Verfahren funktioniert allerdings nur auf Metall - aber was heißt hier nur. Dr. Bond weist darauf hin, dass alle Schusswaffen bei ihm, nachweislich gesehen, in sicheren Händen seien. Vor allem aber Patronen - die Hülse wie das Geschoss. Es spielt auch keine Rolle, ob der Täter einen Lauf, eine Trommel, ein Magazin belud und schoss. Unter Hitze, sagt Dr. Bond, ätze sich der böse Finger sogar noch tiefer ins Metall. Die Kriminalistikwissenschaft rechnet nun fest damit, ein paar Hundert "cold cases" wieder aufwärmen zu können.