Die Wiederansiedlung von Luchsen im Harz verläuft erfolgreich. Seit Beginn des Programms im Jahr 2000 seien 24 Luchse in die Wildnis entlassen worden, sagte der Luchs-Experte beim Nationalpark Harz, Ole Anders, bei einer Fachtagung in Göttingen. 23 Jungtiere seien sogar in freier Wildbahn geboren worden.
Den Beobachtungen der Nationalparkverwaltung zufolge dehnen die Luchse ihre Streifgebiete immer weiter aus. Luchse seien bereits im Solling, im Eichsfeld, bei Alfeld sowie in kleineren Waldgebieten nördlich des Harzes beobachtet worden. Ein Luchskater sei durch das nördliche Harzvorland mehr als 80 Kilometer weit bis in das Waldgebiet Elm bei Braunschweig gezogen.
Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), der die Schirmherrschaft für den Kongress der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst und der „Stiftung für Bären“ übernommen hatte, drückte in einem von Teilnehmern verlesenen Grußwort seine Freude über die Rückkehr wilder Tiere aus. „Bär, Wolf und Luchs sind in Deutschland willkommen“, so Gabriel. Die Rahmenbedingungen für die Wiederkehr dieser Tiere hätten sich positiv entwickelt. „Es wäre fatal, wenn sie mit den gleichen Vorurteilen konfrontiert würden, die einst zu ihrer Ausrottung führten“, erklärte der Minister. Er trete dafür ein, Lebensräume auch für große Säugetiere zu erhalten und gegebenenfalls zu schaffen.
Deutsche müssen Umgang mit großen Wildtieren wieder lernen
In den vergangenen Jahren sind mehrere große Wildtierarten nach Deutschland zurückgekehrt. In Sachsen lebten mittlerweile zwei Wolfsrudel, im Harz und im Bayrischen Wald gebe es wieder Luchse, berichteten Tagungsteilnehmer. Im Juni dieses Jahres war erstmals seit vielen Jahren wieder ein Bär durch die bayrischen Alpen gestreift. „Bruno“ war jedoch gejagt und schließlich erschossen worden.
Die Deutschen müssten den Umgang mit großen Wildtieren wieder lernen, sagte der Göttinger Biologe Professor Wolfgang Rohe: „Wir sind das Zusammenleben mit Bären, Wölfen und Luchsen nicht mehr gewohnt.“ Von Ländern wie Österreich, Italien oder Schweden, in denen diese Tiere seit langem lebten, habe man „in dieser Hinsicht wenig gelernt“.
Bei der notwendigen Wiederannäherung an die großen Wildtiere gehe es nicht darum, diese zu verniedlichen, so Rohe weiter. Sie könnten durchaus Schäden anrichten und in Einzelfällen auch Menschen gefährlich werden. Gegen einzelne, besonders aggressive Tiere könnten „Abwehrmaßnahmen“ erforderlich sein. „Bruno war da sicher ein Grenzfall“, sagte der Wissenschaftler.





