Seit 1707 bildeten England und Schottland eine Union, das Land hieß seitdem „Großbritannien“. König und Premierminister regierten von London aus die Insel. Doch auf dem Kontinent residierte die Stuart-Dynastie, Nachkommen des 1688 vertriebenen katholischen Königs James II. Sein 1720 geborener Enkel Charles Edward besaß in Schottland, Heimat der Stuarts, viele Anhänger. Frankreich unterstützte den Thronanwärter finanziell, der von den Schotten „Bonnie Prince Charlie“ genannt wurde.
Wobei es ungenau ist, von „den Schotten“ zu sprechen. Im Land bestanden große Gegensätze zwischen den Bergbewohnern, den Highlandern und den Bewohnern des Flachlands. Letztere hielten die Landsleute aus dem Norden mit ihren Kilts und Dudelsäcken für unzivilisierte Barbaren; sie wollten nichts mit ihnen zu schaffen haben und teilten keineswegs deren Enthusiasmus für die Stuarts. So kam es, dass im englischen Heer auch viele Schotten aus den südlichen Grafschaften Dumfries, Lanark, Roxburgh und Berwick kämpften.
Erster Erfolg in der Schlacht bei Prestonpans
Charles Edward Stuart beschloss 1745, sein Königreich zurückzuerobern. Mit zwei französischen Schiffen landete er am 13. Juli im äußersten Norden Schottlands. Während der folgenden Wochen zog er durch die Berge, sprach mit den Häuptlingen der einzelnen Clans und sammelte Anhänger. Im August folgten ihm schon 2000 Mann, und am 21. September errangen seine Truppen bei Prestonpans nahe Edinburgh ihren ersten Sieg über die Engländer. Durch diesen Erfolg erhielt der Stuart-Prätendent immer mehr Zulauf. Anfang November überschritt er die englische Grenze und stand am 4. Dezember bei der Stadt Derby, kaum 200 Kilometer vor London.
Die Situation wurde bedrohlich, denn Englands relativ kleines Berufsheer befand sich hauptsächlich in den überseeischen Kolonien; im Mutterland waren kaum 15.000 Mann stationiert. Sie standen unter dem Kommando des Herzogs William von Cumberland, eines Sohns des britischen Königs George II. Er war ein ebenso fähiger wie brutaler Heerführer. Seine Truppen nahmen den Feind von zwei Seiten in die Zange, und der schottische Oberbefehlshaber Lord George Murray befahl den Rückzug.
Trotz englischer Überlegenheit erlangten die Schotten erste Siege
Im Januar 1746 erfochten die Schotten einen weiteren Sieg bei Falkirk. Das ist erstaunlich, denn die englischen Soldaten waren gut ausgebildet und bewaffnet, während die Highlander einen ausgesprochen archaischen Kampfstil bevorzugten. Viele gaben nur einen einzigen Gewehrschuss ab, ließen dann diese Waffe fallen und kämpften mit ihrem „claymore“ genannten Breitschwert. Zur Verteidigung benutzten sie kleine metallene Rundschilde, wie sie anderenorts schon seit mehr als 200 Jahren aus der Mode gekommen waren.
Am 27. April gelang es dem Herzog von Cumberland, seinen Gegner in der Nähe von Inverness beim Hochmoor von Culloden zu stellen. Er verfügte über 9000 Mann, davon 850 Kavalleristen, während die Schotten nur 5000 Kämpfer zählten. Noch entscheidender war die Überlegenheit der englischen Artillerie, deren 20 Kanonen nur acht mit ungeübten Mannschaften gegenüberstanden.
Das englische Heer schlug die Schotten in die Flucht
Die Schlacht begann gegen 12 Uhr und dauerte kaum 45 Minuten. Nachdem die britische Artillerie furchtbar in den eigenen Reihen gewütet hatte, gab Lord Murray den Angriffsbefehl, der aber, wie eingangs geschildert, vom MacDonald-Clan missachtet wurde. Unter wildem Kriegsgeschrei durchbrachen die Highlander aus den Clans Atholl, MacLean, Cameron und MacLachlan die erste Linie des Feindes. Sie wurden danach durch Gewehrsalven der 2. und 3. Linie zurückgeworfen. Die in Reserve stehenden Schotten gerieten dadurch in Verwirrung und erlagen den Bajonetten der britischen Rotröcke.
Zum Schluss griff die Kavallerie ein und schlug den Feind in die Flucht. Mehr als 1200 Schotten fielen, ihre Verwundeten wurden auf Befehl des Herzogs von Cumberland allesamt erschossen, was ihm den Beinamen „Butcher“ (Schlächter) einbrachte.
Noch heute gibt es Feindseligkeiten zwischen Engländern und Schotten
Die Schlacht von Culloden bildete das Ende aller schottischen Unabhängigkeitsbestrebungen. Charles Edward Stuart floh und kehrte nie wieder zurück. Das Land wurde strengen Repressionen ausgesetzt, seine Kultur systematisch unterdrückt. Noch 1746 erging der „Disarming Act“, wonach Herstellung und Tragen von Waffen verboten waren. Diese Maßnahmen trafen auch die bisher stets loyalen Schotten im Tiefland. Die Animositäten zwischen Engländern und Schotten sind deshalb bis heute nicht völlig verschwunden.




