Deutscher Zukunftspreis

Greifarm arbeitet wie ein Elefantenrüssel – so sanft

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Oliver Schmale

Foto: dpa

Ingenieure aus Baden-Württemberg haben einen Elefantenrüssel nachgebaut – und sind damit für den Deutschen Zukunftspreis nominiert worden.

Auf den ersten Blick sieht der schlauchförmige Hightech-Helfer nicht spektakulär aus. Der Greifarm, der von der Festo AG & Co. KG und dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik entwickelt wurde, hat es auch in sich. Das Gerät habe die Gewandtheit eines Elefantenrüssels im Greifarm mit der nachgiebigen Spannkraft einer Fischflosse im Greiffinger kombiniert, wie der Forschungsleiter bei Festo, Peter Post, in Esslingen erläutert. Der pneumatische Rüssel kann entweder mit Hilfe einer Kamera oder durch Sprachbefehle gesteuert werden.

Mit dem Gerät sind die Wissenschaftler für den Deutschen Zukunftspreis 2010 nominiert worden, der von Bundespräsident Christian Wulff am 1. Dezember vergeben wird. Der mit 250.000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste nationale Auszeichnung für ingenieur- und naturwissenschaftliche Erfindungen, die sich bereits auf dem Markt behaupten konnten.

Der Greifarm kann vielfältig eingesetzt werden: Zurzeit wird getestet, ob er beim Orangenpflücken verwendet werden kann, wie Post berichtet. Doch nicht nur in der Landwirtschaft, auch in der Industrie, im Haushalt oder in der Pflege können sich die Experten den Einsatz des Greifers vorstellen. Der Arm wird mit Druckluft betrieben und orientiert sich am Rüssel eines Elefanten, der durch 40.000 Muskeln, die zu Bündeln verflochten sind, sehr elastisch ist. Im Gegensatz zu einem normalen Roboterarm ist die Neuentwicklung daher besonders beweglich.

Greifer und Finger können selbst rohe Eier, Tomaten und ein Glas Wasser fassen, berichtet Post weiter. Sogar Tiere und Menschen könne der Greifarm berühren, ohne sie durch zu starken Druck zu verletzen. Dafür sorge vor allem die Nachgiebigkeit des Materials, aus dem das Gerät besteht – der Kunststoff Polyamid. Das eröffnet neue Möglichkeiten beispielsweise im Gesundheitswesen, wenn es um die Rehabilitation geht. Rund 1000 der außergewöhnlichen Greifarme will Festo im Jahr 2011 verkaufen.

Das Familienunternehmen Festo beschäftigt weltweit 13.500 Mitarbeiter, rund die Hälfte davon in Deutschland. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr1,3 Milliarden Euro. Der Greifarm wird in Esslingen produziert, wie Post erzählt. Wie hoch die Entwicklungskosten waren, will er nicht verraten. Das in Stuttgart ansässige Fraunhofer-Institut brachte bei dem neuartigen System unter anderem seine Erfahrungen ein, einen Ziehharmonika-artigen Faltenbalg als Antrieb zu nutzen.

( dpa )