Ein neues Medikament namens Abiraterone könnte vermutlich 80 Prozent der Patienten heilen, die an der besonders aggressiven Form dieses Krebses erkrankt sind und wo der Krebs bereits gegen die herkömmlichen Chemotherapien resistent geworden ist. Eine klinische Studie zu diesem Mittel mit 1200 Testpersonen läuft bereits seit geraumer Zeit. Weitere, ausführlichere Tests sollen noch in diesem Jahr folgen.

Prostatakrebs ist der bei Männern am häufigsten vorkommende Krebs. Ungefähr 10.000 Männer bekommen jedes Jahr in Großbritannien die Diagnose an dem aggressiven und meist tödlichen Prostatakrebs erkrankt zu sein. Die im Durchschnitt verbleibende Lebenserwartung liegt bei 18 Monaten, wenn man sich einer Chemotherapie unterzieht.

Bislang wurde vermutet, dass der Krebs von dem Sexualhormonen Testosteron, das in den Hoden produziert wird, gesteuert wird. Daher versuchen die momentanen Behandlungsmethoden die Produktion des Testosterons in den Hoden zu stoppen.

Neue Ergebnisse

Experten haben nun entdeckt, dass der Krebs von allen Drüsen, die die Sexualhormone produzieren, herrühren kann. Das schließt auch die Hormone ein, die der Krebs selbst produziert. Abiraterone soll daher die Produktion der Hormone im gesamten Körper blockieren.

Die letzte Studie dazu, erschienen kürzlich im Journal of Clinical Oncology und basiert auf Tests mit nur 21 Patienten, die allerdings eine fortgeschrittenen, sehr aggressiven Form des Prostatakrebses hatten und das neue Medikament getestet haben.

Bei der Mehrheit der Patienten wurde eine eindeutige Verminderung des Krebses festgestellt und ein Verlust des Schlüsselproteins, welches der Krebs produziert, ein spezifisches Prostata-Antigen. Viele Patienten sprachen daher von einer deutlichen Verbesserung ihrer Lebensqualität. Einige konnten sogar die Einnahme des Morphiums einstellen, welches sie lange Zeit einnahmen, um die unerträglichen Schmerzen zu mindern, die die Streuung des Krebses auf die Knochen auslöste.

Es besteht Hoffnung

Der Leiter der Forschungsgruppe Dr. Johann de Bono sagte die Ergebnisse müssen noch in umfangreicheren Studien belegt werden. In diesem Stadium, keiner der Patienten hat das Medikament länger als zwei und ein halbes Jahr eingenommen, ist es noch nicht exakt zu sagen, welchen Effekt das Medikament auf die Lebenserwartung der Patienten haben wird. Aber er sagte weiter: „Wir glauben wir haben einen großen Schritt vorwärts in der Behandlung von Patienten mit Prostatakrebs im fortgeschrittenen Stadium gemacht. Diese Männer haben eine sehr aggressive Form des Prostatakrebses, welche sehr schwer zu behandeln ist und fast immer tödlich endet. Wir hoffen, dass Abiraterone ihnen eventuell Hoffnung auf ein besseres und vor allem längeres Leben geben wird.“

Die Forscher rechnen damit, dass der Wirkstoff auch anderen Krebspatienten helfen kann, so beispielsweise auch Brustkrebspatienten. Professor David Webb, Experte in klinischer Pharmakologie an der Universität in Edinburgh, sagt: „Dieser Wirkstoff sieht sehr vielversprechend aus aber der ist noch immer in den Anfangsstadien der Entwicklung. Es ist wichtig, sehr aufmerksam zu untersuchen, inwieweit er positive Effekte erzielt aber auch welche Nebenwirkungen es mit sich führt, bevor man feste Schlussfolgerungen über die Nützlichkeit dieses Medikamentes zieht. Wichtige Nebenwirkungen zeigen sich meist erst in größeren und ausführlicheren Studien, die nun durchgeführt werden müssen.“

Den neu entdeckten Wirkstoff, der die Hormone blockiert, die den Krebs schüren, soll man in zwei bis drei Jahren als einfache Tablette verschrieben bekommen. Das hoffen zumindest die Forscher des Institutes der Krebsforschung.

sw