Chronobiologie

Spätaufsteher ticken anders als Frühaufsteher

Am 26. Oktober ist es wieder soweit – das Ende der Sommerzeit. Doch Mediziner und Schlafforscher sind sich einig: Aus chronobiologischer Sicht hat die kollektive Einheitlichkeit von Einschlaf- und Aufwachzeiten keinen Sinn. Wer jahrelang seinen biologischen Rhythmus ignoriert, riskiert seine Gesundheit.

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Langschläfer und Spätaufsteher kommen am letzten Oktoberwochenende endlich wieder auf ihre Kosten: Durch die können sie sich ganz ohne schlechtes Gewissen noch einmal gemütlich im Bett herumdrehen, eine Stunde länger schlafen und schließlich ausgeruht am Frühstückstisch sitzen.


Mehr Verständnis für Langschläfer fordert auch die Medizinerin Ildiko Meny von der Universität München. Am Institut für medizinische Psychologie ist sie die Koordinatorin des Forschungsprojektes „ClockWork“, das die Beziehung von innerer Uhr und Schichtarbeit untersucht.


„Spättypen ticken tatsächlich anders als Frühtypen“, sagt sie. Mit faulen Ausreden habe das nichts zu tun. „Es ist mittlerweile eindeutig belegt, dass dies genetisch bedingt ist.“ Meny warnt vor gesundheitlichen Folgen: Wer als extremer Spättyp jahrelang seinen biologischen Rhythmus ignoriere und sich frühmorgens unausgeschlafen zur Arbeit quäle, leide häufig unter chronischem Stress: „Und der kann tatsächlich krank machen.“

Beim einen führe dies zu Magengeschwüren, beim anderen zu Bluthochdruck oder chronischen Entzündungen, so die Ärztin. Zudem spiele auch das Alter eine Rolle: „Bis 40 lässt sich Schlafmangel noch besser kompensieren, danach wird es deutlich schwieriger."


Meny setzt sich deshalb dafür ein, Spättypen entgegenzukommen und sie ihre Arbeit einfach zu einem späteren Zeitpunkt erledigen zu lassen. „In Deutschland hat sich da auch durchaus schon viel getan, etwa durch die Einrichtung von Heimarbeitsplätzen und flexibleren Arbeitszeiten. Viele Leute arbeiten einfach gern nachts."


Schlafexperten plädieren zudem dafür, den Schulunterricht später beginnen zu lassen. Schüler bräuchten mehr Schlaf als Erwachsene und erreichten ihre volle Konzentration erst am späten Vormittag, sagt der Regensburger Schlafforscher Jürgen Zulley. Ein späterer Unterrichtsbeginn etwa gegen neun Uhr sei kindgerechter und erhöhe die Leistungsfähigkeit.

Das bestätigt auch Ildiko Meny, die einen späteren Schulbeginn vor allem ab der Pubertät für wichtig hält: Denn im Alter von etwa 13 Jahren an bewirkten die Hormone, dass Jungen und Mädchen erst deutlich später am Vormittag aufnahmebereit seien. Auch die Zahl der Unfälle auf dem Schulweg würde nach Ansicht von Jürgen Zulley deutlich sinken, wenn Kinder „nicht im Halbschlaf“ dem Straßenverkehr ausgesetzt wären.


Auch Günter Woog, der Gründer von „Delta t für Zweitnormalität“ – nach eigenem Bekunden der weltweit erste Verein für Spätmenschen und Langschläfer, hofft auf mehr Rücksicht auf die innere Uhr: „Der Chronotyp eines Menschen ist genauso festgelegt wie die Körpergröße, Schuhgröße oder Haarfarbe“, sagt er. Und trotzdem erwarte die Gesellschaft in puncto Schlafgewohnheiten Einheitlichkeit. „Das ist völlig unsinnig.“ Ganz besonders schlimm sei die Frühjahrsumstellung. Auf der Vereinswebsite ( www.delta-t.org ) bittet er darum, nicht vor zwölf Uhr mittags angerufen zu werden. Denn: „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, sind wir da, wo's schöner ist!“

Doch ganz so einfach sei das natürlich nicht, gibt er zu: „Ich bin selbstständig und kann mir aussuchen, wann ich meine Arbeit mache.“ Sehr viel schwieriger hätten es all diejenigen, die etwa an feste Büro- und Arbeitszeiten gebunden seien. Und deshalb setzt sich Delta t für sehr flexible Arbeitszeiten und eine „pure Leistungsgesellschaft“ ein: „Nicht wann man etwas macht, sollte wichtig sein, sondern was man macht“, sagt Woog.