Am Primatenzentrum des Leipziger Zoos arbeiteten die Forscher mit Bim, einem 26 Jahre alten Männchen, und Dok, einem 15-jährigen Weibchen. Sie trainierten die Tiere auf Chips, die ähnlich wie beim Roulette unterschiedliche Werte hatten: Der eine Chiptyp bedeutete, der Partner bekommt eine Banane, der andere, ich selbst bekomme eine Banane; ein dritter Typ war wertlos, niemand bekommt etwas.
Die Tiere konnten die Chips jedoch nicht direkt beim menschlichen Versuchsleiter eintauschen, sondern nur, indem sie vom anderen Orang-Utan einen Chip bekamen, den sie dann dem Menschen weitergaben. Von den Versuchen berichtet Valerie Dufour von der St. Andrews University und Mitarbeiter in den "Biology Letters".
Zu Beginn der Versuche erbettelte das Männchen Bim von seiner Partnerin meist einen Chip, der ihm selbst die Belohnung zukommen ließ, reichte Dok umgekehrt aber keinen Chip, der dem Weibchen eine Banane einbrachte. Daraufhin stellte Dok ihre Großzügigkeit ein, was Bim auf die Idee brachte, dass auch er zugunsten seiner Partnerin handeln musste.
Gegen Ende der Versuche waren Geben und Nehmen zwischen den Orang-Utans nahezu ausgeglichen. "Hier liegt in die Zukunft gerichtetes, rationales Handeln vor", sagt Dufour. "Wenn du mir nichts zukommen lässt, bekommst du auch nichts." Eine rationale Fähigkeit, die nicht einmal Schimpansen als nächste Verwandte des Menschen zeigen.
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