Essen und Trinken

TV-Spots bewerben dramatische Fehlernährung

Fernsehen ist wahrhaft ungesund: Wer sich von der TV-Werbung den Einkaufszettel diktieren lässt, ernährt sich US-Forschern zufolge dramatisch falsch.

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US-Forscher haben kürzlich ein Puzzlestück in das große Bild vom Übergewicht eingefügt. Die Wissenschaftler um Michael Mink von der Armstrong Atlantic State University in Savannah (US-Staat Georgia) untersuchten, wie im Fernsehen beworbene Lebensmittel in Bezug auf gesunde Ernährung zu bewerten sind. Zwar ist Fernsehwerbung ungeeignet, mündige Konsumenten unabhängig zu beraten, bekannt ist aber auch, dass das Fernsehen in bildungsfernen Schichten durchaus eine „Beratungsfunktion“ hat und manche Menschen die Grenze zwischen redaktionellen und werblichen Inhalten nicht erkennen. Ganz zu schweigen von dem Problem, dass Journalistisches und Werbliches sich zusehends vermischen.

Die Forscher hatten 84 Stunden Fernsehprogramme zur besten Sendezeit sowie zwölf Stunden Sendungen am Samstagmorgen (vornehmlich Kinderprogramme) gesichtet und dokumentiert, welche Art von Lebensmitteln angepriesen wurden. Damit füllten sie einen virtuellen Einkaufskorb, erstellten einen Speiseplan und analysierten die Lebensmittel auf ihren Gehalt an Nährstoffen. Die daraus komponierten hypothetischen Mahlzeiten sollten sich auf 2000 Kilokalorien pro Tag addieren.

Das Ergebnis bewerten die Forscher als niederschmetternd in seiner Deutlichkeit: Entscheidungen zur Auswahl der konsumierten Lebensmittel aufgrund von TV-Werbung führten zu einer Fehlernährung von dramatischen Ausmaßen, schreiben sie jetzt im „Journal of the American Dietetic Association“. Wer sich von der TV-Werbung den Einkaufszettel diktieren lasse, dessen Zufuhr von Zucker und Fett führe ohne Umwege in die Fettleibigkeit.

Im Detail führen die US-Wissenschaftler auf: Die werbeorientierten Lebensmittel enthalten 25 Mal so viel Zucker und 20 Mal so viel Fett wie empfohlen. Dafür weniger als die Hälfte der empfohlenen Mengen an Gemüse, Obst und Milchprodukten. Schon eine einzige Portion von TV-Lebensmitteln konnte bisweilen bedeuten, die empfohlene Tageszuckermenge um das Dreifache und die empfohlene Tagesmenge an Fett um das Zweieinhalbfache zu überschreiten.

„Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die im Fernsehen beworbenen Lebensmittel zu einer Überdosis an Nährstoffen führen, die mit chronischen Krankheiten in Verbindung gebracht werden, zum Beispiel gesättigte Fettsäuren, Cholesterin und Salz“, sagt Professor Michael Mink. Andererseits fehlten zwangsläufig solche Nährstoffe, die vor Krankheiten schützen, beispielsweise Ballaststoffe, die Vitamine A, E und D, das Nerven- und Herzmineral Kalium sowie das Knochenmineral Kalzium.