Rollenspiel

"Risen" macht das "Gothic 3"-Debakel vergessen

"Risen" gehört zu den lang erwarteten Neuerscheinungen des Jahres. Mit dem Rollenspiel gelingt es dem Entwicklerteam an die Qualität der ersten Teile der "Gothic"-Serie anknüpfen. Doch "Risen" ist mehr als nur ein Spiel. Es steht stellvertretend für einen Rehabilitierungsversuch einer Branche.

Der Held ist gestrandet und landet auf einer Insel, auf der er viele Abenteuer zu bestehen hat. Ein Vulkan ist zu neuem Leben erwacht, mysteriöse Ruinen erheben sich aus der Erde, monströse Wesen überfallen die Einwohner. Und zu allem Überfluss gibt es auch noch die Inquisition, einen Verbund mächtiger Hüter, die nach Artefakten in den Ruinen suchen. Eine abenteuerliche Reise durch eine gefährliche Welt beginnt für den Helden, der unfreiwillig zur letzten Hoffnung für die Bewohner seiner neuen Heimat wird.

Das ist zusammengefasst die Handlung von „Risen“, einem Rollenspiel, das für den Computer (50 Euro) und die Spielkonsole Xbox360 (70 Euro) in diesen Tagen erscheint. Das Spiel gehört zu den lang erwarteten Neuerscheinungen dieses Jahres. Zum einen gehören Rollenspiele zu den beliebtesten Produkten der Branche. Zum anderen hat Piranha Bytes das Spiel entwickelt, und zu denen gehören die Programmierer der legendären und erfolgreichen „Gothic“-Serie.

Allerdings ist „Risen“ mehr als nur ein Spiel, es steht stellvertretend für einen Rehabilitierungsversuch der gesamten Branche. Mit „Gothic 3“ brachte der Hersteller vor drei Jahren ein halb fertiges Produkt auf den Markt, das viele Fehler enthielt, bei dem Speicherstände nicht mehr geladen werden konnten und das weltweit die Spielfangemeinde weit über die „Gothic“-Reihe in Aufruhr brachte. Mehrfach musste das Spiel vom Hersteller nachgebessert werden, sogar die Anwender selbst schrieben kleine Programme als Ergänzung, um das Spiel weitgehend spielbar zu machen.

Grund für die vielen Probleme sind die Zuständigkeiten in der Branche: Programmierer in den Studios entwickeln das Spiel samt Idee und Grafik, für Marketing und Vertrieb sind jedoch Publisher zuständig. Und die drängen oft auf zu frühe Veröffentlichungstermine, etwa weil Weihnachten vor der Tür steht, selbst wenn das Spiel noch gar nicht ausreichend getestet ist. Wenn dann noch Inhalte wegfallen, die vorher angekündigt waren, ruft das Unmut hervor. Der Streit zwischen den „Gothic“-Machern und dem damaligen Publisher ging sogar vor Gericht – und Publisher Jowood behielt die Namensrechte. Im nächsten Jahr soll mit „Arcania – a gothic Tale“ der nächste Teil der Saga herauskommen.

Für Piranha Bytes ist die Veröffentlichung von „Risen“ der alles entscheidende Versuch, das ramponierte Image wieder herzustellen. Wie sich beim Spielen zeigt und was die ersten Tests ergeben, scheint das dem Entwicklerstudio gelingen zu können: „Risen“ spielt sich erstaunlich schnell und kurzweilig, die Gespräche mit den Spielfiguren gestalten sich abwechslungsreich und haben den gleichen herben Charme wie bei den „Gothic“-Spielen. Vor allem etwas ältere Spieler dürften hier auf ihre Kosten kommen.

Die komplette Spielwelt lässt sich von Beginn an frei erforschen. Neben der Inseloberfläche warten viele individuell gestaltete Höhlen auf den Spieler. Zudem bietet die Welt von „Risen“ dynamische Tag-Nacht-Wechsel sowie zahlreiche Wettereffekte. Kämpfe mit den Insel-Monstern finden in Echtzeit statt, so kann der Held nicht nur aus dem Hinterhalt angreifen, sondern auch etwaige Hindernisse als Deckung nutzen.

Je nach Art der geführten Waffe und des damit absolvierten Trainings gestaltet sich ein Kampf mehr oder weniger schwierig. So effektiv und sicher zum Beispiel Pfeil und Bogen sein mögen, ein Anfänger kann nach dem Spannen der Sehne das anvisierte Ziel nur wenige Augenblicke im Blick halten – bevor das Zittern der Hand einen Treffer unwahrscheinlich werden lässt. Auch wenn das Spiel durchaus seine Längen hat, sind es solche Details, die „Risen“ zu einer der besten Neuerscheinungen des Jahres machen.