Medizin

Parasiten helfen gegen multiple Sklerose

Morgenpost Online/OC

Würmer im Darm verursachen möglicherweise Ekel. Aber ihre Existenz kann auch nützlich sein: Die Schmarotzer beeinflussen ganz eigennützig das Immunsystem und verhindern dadurch Rückfälle bei MS-Patienten. Eine neue Studie weist erstmals diesen Zusammenhang nach.

Parasitäre Würmer haben doch einen Nutzen: Nach einer Studie des Raûl Carrea Institute for Neurological Research sollten sie den Verlauf von Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose positiv beeinflussen können.

Die Wissenschafter Jorge Correale and Mauricio Farez haben über einen Zeitraum von vier Jahren den Krankheitsverlauf von MS-Patienten beobachtet. Eine Gruppe der MS-Patienten zeigte Symptome einer Infektion mit Parasiten. Eine zweite Gruppe war nicht infiziert. Alle drei Monate wurde das Krankheitsbild der MS-Patienten analysiert. Innerhalb der letzten 18 Monate der Studienlaufzeit wurde zudem das Blut der Patienten auf Aktivitäten der Immunzellen überprüft. Das Ergebnis war überraschend: Die mit Parasiten infizierten Patienten erlitten weniger Rückfälle und weniger durch die Krankheit bedingte Einschränkungen. So verzeichneten die Forscher in der infizierten Gruppe lediglich drei Rückfälle, während sie bei den nicht infizierten Patienten 56 Rückfälle feststellten. Die Ergebnisse der Studie wurden in den Annals of Neurology veröffentlicht.

"Das ist der erste direkte Beweis, dass Parasiten beim Schutz vor Autoimmunerkrankungen eine Rolle spielen könnten", erklärte der Immunologe Graham Rook vom University College London gegenüber New Scientist die Ergebnisse der Studie.

Andere Forscher experimentieren bereits mit Eiern von Parasiten zur Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Correale warnt allerdings, dass Parasiten auch andere Mechanismen auslösen können und dass parasitäre Infektionen sich häufig nachteilig auf die Gesundheit auswirken.