Bioinvasion

Rippenquallen fressen Fischeier in der Ostsee

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Die von der nordamerikanischen Ostküste eingewanderte Rippenqualle bedroht den Dorsch-Nachwuchs in der Ostsee. Dies berichten Kieler Meeresbiologen, die im Magen-Darm-Trakt der Tiere Reste von Fischeiern gefunden haben. Die Rippenqualle war erstmals im November 2006 in der Ostsee entdeckt worden.

Die in die Ostsee eingewanderte Rippenqualle ist möglicherweise eine große Bedrohung für den Dorsch. Die Quallenart (Mnemiopsis leidyi) fresse Fischeier und komme im wichtigsten Dorsch- Laichgebiet zur selben Zeit wie der Fischnachwuchs vor, berichtete das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel. Das zeigten neue Studien im Bornholm-Becken. Im Magen-Darm-Trakt von Rippenquallen fanden Forscher demnach Reste von Eiern.


Die Rippenqualle ernährt sich von Zooplankton, mikroskopisch kleinen Lebewesen im Ozean. Laut Studie ist sie für die Fische jedoch nicht nur Nahrungskonkurrent, sondern verspeist auch deren Larven und Eier. „Als wir die Eier in der Rippenqualle entdeckten, ist uns klar geworden, welche Auswirkungen dieser Organismus auf das gesamte planktische Ökosystem der Ostsee haben könnte“, schilderte Forscher Holger Haslob. Seit Jahren sei der Bestand des Ostsee-Dorsches durch Überfischung und Umweltbelastung ohnehin gefährdet.

Die Studie sei quantitativ noch nicht aussagekräftig genug, um mit letzter Gewissheit von einer zusätzlichen massiven Bedrohung durch die Rippenqualle auszugehen, sagte IFM-GEOMAR-Sprecherin Mona Botros. „Die Ergebnisse zeigen aber, dass wir die Entwicklung auch in Zukunft genau im Auge behalten müssen.“

Nachhaltige Veränderungen in der Nahrungskette seien möglich, falls die Dorscheier durch die Quallen in großem Stil gefressen werden. „Hier wäre mit dem Dorsch eine Fischart betroffen, die in dem Ökosystem an der Spitze der marinen Nahrungskette steht“, stellten die Meereswissenschaftler heraus.

( dpa/oc )