Schwimmt ein Fisch plötzlich in einem See statt in einem Bach, so verändert sich für ihn fast alles. Das zeigen Forscher um Travis Haas von der Tulane Universität in New Orleans, die den Einfluss von Staudämmen auf das Leben im Wasser untersucht haben. In den „Proceedings der Royal Society“ berichten sie, dass die karpfenartigen Fische der Art Cyprinella venusta über mehrere Generationen hinweg ihren Körperbau verändert haben.

Die Forscher fingen die Fische im Mobile River Basin im Südosten der USA, einem Gebiet, in dem sich 34 Dämme auf 113.000 Quadratkilometer verteilen. Sie vermaßen Tiere aus Bächen und den angrenzenden Stauseen. Demnach passen die Fische ihre Form schnell an ihre neue Umgebung an: Stauseefische waren schlanker, hatten einen kleineren Kopf, und ihre Rückenflosse wuchs weiter vorne am Körper.

Dass Tiere sich verändern, wenn sich ihre Umgebung verändert, ist ein Grundprinzip der Evolution. Forscher definieren die Veränderungen mit einer Einheit: dem „Darwin“. Ein Darwin entspricht dabei der Änderung eines Merkmals um den Faktor „e“ innerhalb von einer Million Jahren. Verändert sich die Flosse einer Fischart in einer Million Jahre, so beträgt die Evolutionsrate also ein Darwin.

Wie stark der Einfluss des Menschen auf die Evolutionsrate von Tieren ist, hat der kanadische Forscher Chris Darimont vor zwei Jahren erforscht. Er hat den Einfluss der Jagd auf 40 verschiedene Tierarten quantifiziert. Demnach beschleunigt die Jagd die Veränderung der Tierwelt um 300 Prozent im Vergleich zur natürlichen Selektion.

Auch in den Ozeanen zeigt sich dieser Effekt: Durch die Befischung werden viele Fischarten heute schon nicht mehr so groß wie früher. Sie pflanzen sich eher fort und haben so gegenüber großen Fischen einen Vorteil. Die neue Studie zeigt nun, dass nicht nur die direkte Jagd, sondern auch die Umstrukturierung eines Gewässers das Aussehen von Tierarten unnatürlich schnell verändert.

ph