Maritime Todeszonen

Forscher versenken Schweinekadaver im Meer

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Foto: pa

Weltweit gibt es maritime Todeszonen. Das sind besonders sauerstoffarme Bereiche in unseren Gewässern, in denen es so gut wie kein Leben mehr gibt. Um mehr über diese Todeszonen zu erfahren, haben Forscher sich nun eine recht makabere Methode einfallen lassen: Sie werfen Schweinekadaver ins Wasser.

Einen makaberen Ansatz zur Erforschung der Tiefsee haben Forscher in Kanada angewendet. Sie haben tote Schweine, die von Fleischern in Stücke geschnitten wurden, im Meer versenkt. Mit Unterwasser-Kameras haben sie anschließend untersucht, wie die Tiefseebewohner auf die unerwartete Nahrungsquelle reagieren.

Die Untersuchungen haben einige sehr interessante Daten gebracht, berichten die Forscher der University of Victoria in Kanada. Besonderes Augenmerk legen die Wissenschaftler auf die Aasfresser am Meeresgrund, die sich über die reiche Beute hermachen. "Die großen Mengen an Fleisch sind natürlich eine gute Nahrungsquelle für viele Lebewesen", so die Meeresbiologin Verena Tunnicliffe, die betont, dass die Idee, Schweine dazu zu verwenden, nicht von ihr stamme.

"Die Schweine spielen auch in der Forensik eine große Rolle, weil das Schweinefleisch dem Menschenfleisch ähnlich ist", erklärt Tunnicliffe. Das sei sehr wichtig, wenn man zum Beispiel wissen will, was mit einem Leichnam im Meer passiert. "Spuren, die von Aasfressern stammen, können darüber Aufschluss geben, wie lange ein Körper im Wasser gelegen hat."

Die Wissenschaftler haben sich aber auch noch dafür interessiert, was unter sauerstoffarmen Bedingungen – wie etwa in marinen Todeszonen – mit den Aasfressern geschieht. Solche Todeszonen treten aufgrund von hohen Nährstoffeinträgen immer häufiger auf. Die großen Mengen an Nährstoffen wie Stickstoff oder Phosphor fördern das Wachstum von Algen und Phytoplankton. Beim Abbau dieser Biomasse entsteht Sauerstoffmangel.

Tunnicliffe und ihr Team haben Schweinehälften in einer sauerstoffarmen Region im Saanich Inlet vor der Küste von British Columbia versenkt und mit Kameras und Sauerstoffgehalt-Messgerät untersucht, wie die Aasfresser reagieren. Beobachtet wurde alles vom experimentellen Unterwasserlabor Venus.

Aasfresser wie etwa Krebse, Shrimps, Seesterne und sogar ein Oktopus machten sich selbst bei sehr niedrigen Sauerstoffwerten – bei sieben Prozent – immer noch auf den Weg zur Nahrungsquelle. "Die Sauerstoffwerte waren so niedrig, dass Experten befürchteten, dass dies zu einer Hypoxie, also Sauerstoffmangel, im Tierkörper führen wird", so die Forscherin.

Als die Sauerstoffwerte dann noch weiter absanken, blieb der Schweinekadaver drei Monate unangetastet am Meeresboden liegen. "Das bedeutet, dass unter diesen Bedingungen am Meeresgrund nichts mehr recycelt wird", erklärt Tunnicliffe. "Die Zersetzung erledigen dann Bakterien. Doch das dauert dann wirklich sehr lange."

Die Forscher schließen daraus, dass die Aasfresser einen wesentlichen Schritt dazu leisten, den Kohlenstoffkreislauf in Gang zu halten. "Wenn einige dieser Tiere mit ein wenig Sauerstoff überleben, können sie möglicherweise am Meeresgrund ihre Recycling-Arbeit verrichten", so die Forscherin. Es gebe jedenfalls genügend Nahrung am Grund.