Nach einem Stich von Wespe oder Biene muss bei 0,8 bis fünf Prozent der Europäer mit oft dramatischen Reaktionen gerechnet werden. Dermatologen der Universität Leipzig rechnen pro Jahr etwa mit 40 Todesfällen. Unter den Hautflüglern sind vor allem die Stiche der Honigbienen und Wespen kritisch, Hummeln und Hornissen sind weniger riskant.
Bei Allergikern setzt der erste Stich eine verhängnisvolle Sensibilisierung auf das Insektengift in Gang. Bei einem erneuten Stich reagiert ihr Körper mit heftigen Abwehrreaktionen. Die bedeutsamste Form einer Überempfindlichkeitsreaktion ist die „systemisch-anaphylaktische Reaktion“. Sie tritt meist innerhalb von Minuten nach dem Stich auf und beschränkt sich manchmal auf die Haut (Rötung, Schwellung und Nesselsucht), in schweren Fällen sind auch andere Organe betroffen. Dann kommt es zu Erbrechen, Atemstörungen, Kreislaufzusammenbruch, Atemstillstand und Schock. Nach Untersuchungen der TU München müssen in Deutschland pro Jahr mehr als 3000 Insektengiftallergiker notärztlich versorgt werden.
Allergiker müssen ständig eine „Notfallapotheke“ mit sich führen. Sie enthält Präparate mit Kortison und einem Antihistaminikum, meist in flüssiger Form, sowie das Notfallmedikament Adrenalin als Spray zum Einatmen oder zur Selbstinjektion in den Muskel.
Um das Risiko gering zu halten, sollten Sie folgende Regeln beachten:
Normalerweise greifen Bienen und Wespen nur an, wenn sie gestört werden. Gerät man in die Nähe eines Nestes, sollte man hastige Bewegungen und Erschütterungen der Nester vermeiden und die Insekten nicht von Futterquellen verscheuchen. Greifen die Tiere an, sollte man den Kopf mit den Armen oder einem Kleidungsstück schützen und sich zurückziehen.
Bei Insektengiftallergikern hat sich die Methode der Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) bewährt. Dabei wird das auslösende Insektengift in steigender Dosis gespritzt. Die Erfolgsrate liegt nahe hundert Prozent. Ob die Kur wirkt, zeigt sich aber nur nach einer „Stichprobe“. Die wird sechs bis zwölf Monate nach Therapiebeginn durch den Stich einer Biene oder Wespe kontrolliert. Übrigens dürfte 2008 kein schlimmes Wespenjahr werden – der Juni war feucht, das bekam der Brut nicht.




