Brandenburg meldet zehn Mal mehr nachwachsende Zecken-Jungtiere als im vergangenen Jahr. Das Robert-Koch-Institut hat in Thüringen vier neue Landkreise als Risikogebiete für die von Zecken übertragene Hirnhautentzündung FSME ausgewiesen. Durch den milden Winter haben sich Schädlinge geradezu explosionsartig vermehrt, sagt der Berliner Zoologe Burkhard Schricker.
Viele Apotheken und Drogerien im Osten kommen mit dem Nachbestellen von Anti-Mücken-Spray und kühlender Salbe gegen den Juckreiz kaum nach. Moskito-Netze sind in vielen Kaufhäusern vergriffen. Hautärzte behandeln deutlich mehr Stiche als sonst.
Während Mücken in erster Linie lästig sind, können Zecken richtig bedrohlich werden. Die von ihnen übertragene Hirnhautentzündung FSME kann bei Menschen bis zum Tod führen. Vor allem in Thüringen, wo es inzwischen sieben FSME-Risikogebiete gibt, wächst die Angst vor den Blutsauger-Tieren.
Aber auch in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt hätten Zecken nachweislich Hirnhautentzündungen übertragen, sagt Zecken-Forscher Jochen Süss vom Friedrich-Loeffler-Institut in Jena: „Es ist eindeutig: Die Gefahr von FSME-Erkrankungen in den neuen Bundesländern steigt.“
Die weniger gefährliche Borreliose können Zecken ohnehin überall in Deutschland übertragen, nicht nur in den Risikogebieten. „Daran stirbt zwar niemand, aber es geht einem einfach für den Rest des Lebens richtig schlecht“, sagt Süss. Eindringlich appelliert er deshalb an Naturliebhaber, vorsichtig zu sein und sich gegen FSME impfen zu lassen. Gegen Borreliose hilft allerdings nur Vorsicht. Wer von einer Zecke gebissen wurde, sollte bei einer Rötung der Stelle auf jeden Fall sofort zum Arzt, rät der Forscher.
Auch in den Städten haben die Kammerjäger in diesem Sommer Hochkonjunktur. Meist rufen verängstigte Kunden an, die ein Wespennest auf dem Dachboden oder direkt vor ihrem Fenster entdeckt haben. „Da müssen wir schnell reagieren, weil immer mehr Leute Wespen-Allergien haben“, sagt der Berliner Schädlingsbekämpfer Reinhard Gajek. In voller Schutzmontur rückt er den stichigen Völkern mit seiner „Puderkanone“ auf den Leib. Die Wespen verenden dann.
Auch Ratten seien ein großes Problem, sagt Gajek. Vor allem, weil sie in öffentlichen Parks oder in der Kanalisation kaum noch bekämpft würden, obwohl das durch das Seuchenschutzgesetz sogar vorgeschrieben sei. Städte und Gemeinden hätten überall in Deutschland ihre Aufträge für die Kammerjäger auf ein Minimum zurückgefahren. „Ordentliche Arbeit kostet eben Geld“, schimpft er.
Die Landwirte kämpfen auf ihren Äckern in diesem Jahr vor allem gegen Mäuse. Deren Population sei durch den milden Winter und das trockene Frühjahr so groß wie lange nicht mehr, sagt der Präsident des Bauernverbands Sachsen-Anhalt, Frank Zedler: „Die nagen uns das ganze Getreide ab“, klagt der Landwirt.
Und wenn es den Mäusen mal zu feucht sein sollte, dann machen Blattläuse und Pilzerkrankungen den Bauern die Ernte madig. „Natürlich kann man mit chemischen Mitteln dagegen vorgehen, aber das treibt dann wieder die Kosten in die Höhe“, sagte Zedler. Gleiches gilt für den Kampf gegen Borkenkäfer, die nach dem Orkan „Kyrill“ vor allem in Thüringen die umgefallenen Baumstämme zernagen.
Allerdings ist die Schädlings-Plage auch ein gutes Omen, jedenfalls wenn eine alte Bauern-Regel stimmt: „Wespenklage im Sommer und Herbsten – der Winter wird schneereich und kalt zum bersten!“ Das lässt hoffen, dass im nächsten Jahr deutlich weniger Schädlinge unterwegs sind
dpa/hem





