Wenn sich in der Schwarzenauer Pferde- Deckstation Hengst und Stute näherkommen, geht es nicht sehr romantisch zu. Ein kleiner Raum, graue Fliesen, eine Holzwand, an der die Stute für den Akt festgemacht wird. Tierarzt Siegfried Böhm präsentiert den Stuten aber nicht irgendwelche Hengste, sondern ausgewählte, besonders exzellente Exemplare aus dem gesamten Bundesgebiet. Hinzu kommt importierter Samen aus Italien, den USA oder Dänemark – ganz wie der Pferdezüchter es wünscht.
Die staatliche Deckstation ist Böhm zufolge eine von wenigen im Freistaat, die tiefgefrorenes Fremdsperma beispielsweise von Haflingern oder Trakehnern aus anderen Ländern nach Unterfranken bringen lässt. Nach Angaben des Bayerischen Pferdezuchtverbandes in München hat die Zucht insbesondere von Reitpferden in Bayern eine lange Tradition. Im Zuchtziel sei die Eignung für den Sport verankert, aber auch Werte wie Charakter, Temperament und Reittauglichkeit dürften nicht vernachlässigt werden. Mehr als 20000 Pferdehalter gibt es im Freistaat.
Das Geschäft mit der wertvollen weißen Flüssigkeit der Hengste lief in diesem Jahr in Schwarzenau bei Würzburg ganz besonders gut. „Wir hatten 145 Stuten auf dem Hof“, sagt Böhm stolz. Das seien fast ein Drittel mehr gewesen als in den vergangenen Jahren. Rund 60 Stuten hätten mit einem der beiden Prachthengste verkehren dürfen, wenn auch mit menschlicher Schützenhilfe. Die restlichen Tiere seien künstlich besamt worden, wie der 65-Jährige erläutert, der sich seit mehr als 30 Jahren um die Tiere kümmert.
Die Deckstation ist eine Außenstelle des Haupt- und Landgestüts Schwaiganger aus Oberbayern. Zwei Hengste – der eine, mehr aufs Springen ausgerichtet, aus Holstein, der andere ein Hannoveraner Dressurhengst – standen in diesem Jahr von Februar bis Ende Juli parat, um ihre DNA weiterzugeben.
Pferdewirt Christian Graf war täglich hautnah dabei, wenn es in Schwarzenau zur Sache ging. „Mir signalisiert die Stute, wenn sie Lust hat“, erzählt der 24-Jährige. Dann präsentiert er dem Hengst zunächst seine Partnerin, als Schaulaufen sozusagen. Da Hengste eigentlich immer Lust hätten, sei der Rest nun kein Problem mehr. „Ich muss dann nur noch aufpassen, dass da nichts schief geht.“ Schließlich können die Pferde mehr als 100000 Euro wert sein.
„Wenn die wirklich gut sind, gehen sie irgendwann in die Besamung“, sagt Tierarzt Böhm. „Denn beim Decken wird ja alles mit einem Mal verschossen.“ Bei der Besamung hingegen werde das Sperma gestreckt, um mehreren Stuten kraftvolle, außergewöhnliche Fohlen zu ermöglichen.
Züchter, die ihre empfängnisbereite Stute zur Deckstation bringen, müssen rund 500 Euro auf den Tisch legen. Alle 36 Stunden können die Tiere dann gedeckt werden, „solange sich die Stute nicht wehrt“. „Der Hengst will selten nicht“, sagt der Tierarzt.
Züchter mit der Vorliebe für exklusives Ejakulat, beispielsweise aus dem Ausland, müssen schon tiefer in die Tasche greifen. „Die Samen werden uns täglich zugeschickt. Das kann schon 3000 Euro kosten“, erläutert Böhm. Dafür werde den Stuten aber auch alle 24 Stunden das Sperma injiziert.
Etwa 18 Stuten können zeitgleich in den Boxen des Gutes, das früher das Jagdschloss eines Adeligen war, auf ihren Eisprung und die anschließende Besamung oder Deckung warten. Und wenn es beim ersten Mal nicht klappt, dürfen die Tiere so oft wiederkommen, bis sie schließlich „in anderen Umständen“ sind. Pferdezüchter Günther Fendel aus dem nahen Dettelbach schwört seit rund 25 Jahren auf diesen Deck- Service. Die Qualität der angelieferten Samen sei bildlich gesprochen „wie der Porsche unter den Autos“.




