Medizin

Neue Leber aus dem Knochenmark

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Pia Heinemann

Foto: sa_ah_tk_fo_pe_/rk / Deutsche_Leberhilfe

Die Diagnose kommt meist zu spät: Leberkrebs ist heimtückisch, weil er zunächst schmerzlos verläuft. Weltweit erkranken jährlich über eine Millionen Menschen. Nun haben deutsche Ärzte eine effektive Stammzellentherapie entwickelt, die in fünf von sechs Fällen Heilung verspricht.

Radiologen und Mediziner der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf nutzen ein Verfahren, das in Deutschland noch ungewöhnlich ist. „Wir haben insgesamt acht Patienten mit adulten Stammzellen aus Knochenmark behandelt“, so Studienautor Professor Günther Fürst. Daten von sechs Patienten werteten sie in ihrer Studie aus, zwei Patienten wurden erst nach Abschluss der Studie behandelt. Die Studie wurde in der in der Fachzeitschrift „Radiology“ veröffentlicht.

Der Erfolg ist beeindruckend: Bei Menschen, die ohne die Therapie kaum eine Überlebenschance gehabt hätten, weil über 80 Prozent ihres Lebergewebes bereits von einem bösartigen Lebertumor oder von Metastasen bestimmter Krebsarten wie Gallen- und Dickdarmkrebs zerstört war, setzten sie die Stammzellen ein. Nur einer der acht Patienten entwickelte in der Zeit nach der Behandlung einen Folgetumor. Alle anderen Patienten blieben, zum Teil bereits seit über drei Jahren, krebsfrei.

Die Behandlung der Leber ist kompliziert: Zunächst muss das noch gesunde Lebergewebe, das sich im Idealfall in der sogenannten linken Leber befindet, aber nur bis zu 30 Prozent der gesamten Leber ausmacht, so weit stabilisiert und nach Möglichkeit vermehrt werden, dass es die wichtigen Stoffwechselaufgaben für den gesamten Körper übernehmen kann. Die Blutversorgung der kranken, rechten Leber wird derweil nach und nach unterbunden, sodass die linke Leber langsam die Stoffwechselfunktionen alleine übernehmen muss.

Damit die linke Leber dazu in der Lage ist, haben die Mediziner die Stammzellen über die Venen an den gewünschten Platz in der linken Leber gebracht. Dort wachsen sie und auch die dortigen, gesunden Leberzellen überraschend schnell. „Die linke Leber erholte sich in allen Fällen so gut, dass wir im Schnitt drei Wochen früher operieren konnten, als wir es bei weniger schwer erkrankten Patienten, die noch mehr als 30 Prozent intaktes linkes Lebergewebe hatten, vermochten“, so Fürst. Die Stammzellenbehandlung führten die Mediziner nur dann durch, wenn weniger als 25 Prozent der Leber noch gesund war.

Die Radiologen benutzen Stammzellen aus dem Knochenmark der Patienten. Das ist körpereigenes und damit gut verträgliches Gewebe. Zudem sind diese Stammzellen eine sehr potente und zu vielen Aufgaben fähige Form von Stammzellen.

„Wir wissen allerdings noch gar nicht genau, wie die Stammzellen die Leber reparieren.“ Es könne sein, dass die Stammzellen im Lebergewebe selbst zu Leberzellen ausreifen. „Das hat man im Tierversuch bereits gezeigt, ich halte es aber nicht für den Haupteffekt“, so Fürst. „Ich glaube eher, dass die Stammzellen im Gewebe die noch gesunden Leberzellen über bestimmte Mittlerstoffe dazu bringen, sich schneller und häufiger zu teilen.“ Somit entsteht auf schnelle Weise neues Lebergewebe, mit dem ursprünglich todkranke Patienten wieder völlig genesen. Es müssten aber noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden.