Umwelt

Schweizer Forscher wollen Urin recyceln

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Foto: Eawag

Der Stoff hat es in sich: Die im Urin enthaltenen Nährstoffe müssen in Kläranlagen mit viel Aufwand entfernt werden, da sonst eine Überdüngung der Gewässer droht. Forscher planen daher, Urin separat aufzubereiten, um in großem Umfang Gemüse zu düngen.

Weltweit gesehen sind sehr viele Gewässer von Überdüngung bedroht - namentlich die küstennahen Meere und ihre Fischbestände. Nur sechs Prozent des Stickstoffs aus dem menschlichen Stoffwechsel werden in Kläranlagen entfernt. Auch viele Problemstoffe, wie Medikamentenreste oder hormonaktive Substanzen, gelangen über den Urin ins Abwasser und teilweise in die Umwelt. Schweizer Wissenschaftler vom Wasserforschungs-Institut Eawag sind davon überzeugt, dass die separate Sammlung und Behandlung von Urin und das Recycling der darin enthaltenen Nährstoffe ökologisch und ökonomisch sinnvoll ist. Das Institut erforscht und entwickelt entsprechende Technologien.

Wenn Urin separat gesammelt und behandelt wird, ist das ein sehr großer Beitrag zum Gewässerschutz, argumentieren die Forscher. Statt auf die Nährstoffe, könne das Augenmerk der Kläranlagen auf die Elimination anderer Problemstoffe gerichtet werden und es stünden Mittel für Maßnahmen auf Haushalts- oder Quartierebene zur Verfügung. Das Abwassersystem als Ganzes werde dadurch flexibler und effizienter, vor allem auch energieeffizienter.

Urin statt Kunstdünger

Zudem könnten die Nährstoffe Stickstoff und Phosphor aus dem Urin zurück gewonnen werden und als Dünger in der Landwirtschaft dienen. Nach Angeben des Instituts könnte Urin in der Schweiz mindestens 37 Prozent des Stickstoff- und 20 Prozent des Phosphorbedarfs ersetzen, die heute durch importierten Kunstdünger gedeckt werden.

Den Forscher zufolge gewinnt das Nährstoff-Recycling vor allem in Gebieten Bedeutung, wo Nährstoffmangel herrscht, zum Beispiel in Afrika oder China. Laut Eawag ist die Akzeptanz für die "NoMix“-Technologie hoch. 70 bis 80 Prozent der Befragten fänden die Urinseparierung eine gute Idee und über 80 Prozent seien bereit, in eine Wohnung mit einem entsprechenden WC zu ziehen. Drei Viertel der Befragten seien sogar bereit, mit Urin-Dünger produziertes Gemüse kaufen.

In Pilotprojekten, etwa in der Kantonsbibliothek Baselland in Liestal oder im neuen Eawag-Gebäude "Forum Chriesbach" in Dübendorf werden "NoMix“-WCs bereits eingesetzt. Noch haben die Wissenschaftler aber nicht alle Probleme gelöst: Heute erhältliche "NoMix“-WCs erfordern einen höheren Reinigungsaufwand und der unverdünnt abgeleitete Urin kann Leitungen verstopfen, wenn Salze ausgefällt werden. Bis zu einer erfolgreichen Umsetzung im privaten Haushalt werden daher wohl noch einige Jahre vergehen.

( oc )