Die Kaufsucht wird nach Meinung von Experten in Deutschland noch immer verharmlost und ist weiterhin ein Tabuthema. „Obwohl etwa sechs bis acht Prozent der Bevölkerung gefährdet sind, wird das Problem immer noch übersehen oder bagatellisiert“, sagte die Leiterin der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung der Universitätsklinik Erlangen, Martina de Zwaan, bei einem Psychosomatik-Kongress in Nürnberg. Die Forschungslage zum Thema Kaufsucht sei spärlich. Zudem würden kaum spezifische Therapiekonzepte angeboten.
„Die Kaufsucht ist oft ein heimliches Leiden, das bei den Betroffenen und ihren Angehörigen zu einem enormen Leidensdruck führt“, erläuterte de Zwaan. Viele Kaufsüchtige seien verschuldet oder wegen nicht bezahlter Rechnungen in Strafverfahren verstrickt. „Es gibt kein Medikament gegen die Kaufsucht“, sagte de Zwaan. Oberstes Behandlungsziel sei daher, eine Alternative für das Einkaufen zu finden.
„Viele Patienten leiden unter anderen psychischen Problemen wie etwa Depressionen und nutzen das Einkaufen als Selbstheilungsversuch, weil sie denken, dass es ihnen danach besser geht“, erklärte de Zwaan. Typisch für Betroffene sei es, etwa zahlreiche Kleidungsstücke zu kaufen und diese dann nie aus der Verpackung zu nehmen oder anzuziehen. Andere kauften große Mengen von Gebrauchsartikeln wie Shampoo bei Sonderangebotsaktionen und horteten diese dann teilweise sogar in eigens angemieteten Räumen.
Auf dem gemeinsamen Jahreskongress des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM) und der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) in Nürnberg diskutieren noch bis zum Samstag 800




