Zwar ist noch etwas Zeit bis 2009, aber die Forscher gehen langsam in Stellung, um Darwins Denken zu erforschen und neu zu verstehen. Die erste Umdeutung erfährt die berühmte Lücke von mehr als 20 Jahren, die zwischen dem Jahr 1837, in dem Darwin zum ersten Mal ernsthaft über die Wandelbarkeit der Arten nachdachte, und dem Jahr 1859 besteht, in dem er seine Theorie erstmals publizierte. Die traditionelle Sicht erklärt den zeitlichen Abstand durch Darwins Angst, mit den religiösen Grundsätzen seiner Zeit in Konflikt zu geraten, die überall einen Schöpfergott am Werk sahen.

Der britische Historiker John van Wyhe aus Cambridge behauptet nun, das sei ein Mythos, den man einfach gerne erzähle. Tatsächlich habe Darwin seine Gedanken zur natürlichen Auslese der Arten erst deshalb mit Verzögerung publiziert, weil er sie noch nicht zu Ende gedacht und noch an ihnen zu arbeiten hatte. Darwin wollte keine halb gare Theorie, sondern ein fertiges System präsentieren, und das habe seine Zeit gedauert.

Merkwürdig, wie selbst Darwins Freunde ihn missverstehen. Sein Problem waren nicht die Anhänger des Schöpfers und die Fülle an Daten. Sein Problem steckte und steckt darin, dass die Theorie der Evolution unvollständig ist und bleibt. Daran müssen wir uns anpassen. Hoffentlich klappt es bis 2009.