Die scharfen Proteste von Naturschützern und Vogelkundlern waren umsonst: Ein großer Teil der Kormoranbrut am Bodensee ist in der Nacht zum Mittwoch durch Experten des Regierungspräsidiums Freiburg zerstört worden. Die Wasservögel, die als Fischräuber bekämpft werden, wurden mit Halogenscheinwerfern aufgescheucht, um die Eier absterben zu lassen.
Die nächtliche Scheinwerferattacke war von der Behörde erlaubt worden. Eine Petition des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) war zuvor vom Vorsitzenden des zuständigen Landtagsausschusses abgelehnt worden.
Mitarbeiter des Regierungspräsidiums schätzten, dass rund 70 Prozent der Eier abgestorben sind. Vor der Maßnahme hatten die Experten untersucht, ob erste Jungtiere der Kolonie bereits geschlüpft waren. In diesem Fall hätte die in Baden-Württemberg bislang einmalige sogenannte Vergrämungs-Aktion nicht durchgesetzt werden können, bestätigte ein Sprecher des Regierungspräsidiums. Der NABU hatte bis zuletzt davor gewarnt, es könnten bereits Küken geschlüpft sein und zu Opfern werden.
Der NABU-Landesvorsitzende Andre Baumann kritisierte, der Kormoran werde lediglich zum Sündenbock für die sinkenden Fischbestände gemacht. Für diese seien aber nicht die Vögel verantwortlich, sondern vor allem das weiter sinkende Nahrungsangebot für Fische durch das immer sauberer werdende Bodenseewasser. Der Ornithologe Harald Jacoby sprach von „Foltermethoden“, die das eigentliche Problem nicht lösen könnten.
Die rund 30 Berufsfischer am Untersee sehen das anders: Sie verweisen auf eine neue Bilanz für das vergangene Jahr, nach der rund 101.500 Kilogramm Fische in die Netze gingen, gut ein Drittel weniger im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Außerdem schätzen sie die Kolonie auf mehr als 300 Kormorane. „Nicht der Kormoran ist vom Aussterben bedroht, sondern die Fischer“, heißt es bei ihnen.
Außer in Radolfzell gibt es am Bodensee nur noch im Vorarlberger Rheindelta eine Brutkolonie. Im Herbst sind sogar bis zu 1500 Kormorane am See. Die Frage nach dem Fischfresser stelle sich aber auch am Oberrhein, sagt Jacoby.
dpa/oc





