Der erwartete Klimawandel birgt nach Ansicht des Gesundheitsamts Mecklenburg-Vorpommern Gesundheitsrisiken für den Nordosten. Ein Grund sei die Erwärmung der Ostsee, sagte die Leiterin der Abteilung Gesundheit im Landesamt für Gesundheit und Soziales, Martina Littmann. „In den vergangenen Jahren haben wir verstärkt Keime in der Ostsee festgestellt, die auftreten, wenn die Wassertemperatur über längere Zeit bei mehr als 20 Grad liegt.“ Diese Bakterien aus der Familie der Vibrionen könnten bei Risikopatienten Wundinfektionen verursachen. Am Mittwoch befasst sich in Schlemmin bei Bützow eine Expertentagung mit diesem Thema.

Blaualgen träten ebenfalls bei Wärme häufiger auf, warnte Littmann. Sie können Hautreizungen auslösen und bei Verschlucken zu Übelkeit und Magen-Darm-Problemen führen. Auch im warmen Süßwasser lauern Risiken: „Zerkorien sind Parasiten, die sich in die Haut eingraben und starken Juckreiz verursachen“, beschreibt Littmann. „Sie sind zwar harmlos, aber sehr unangenehm.“

Die Erwärmung könnte laut Littmann auch die Ausbreitung von durch Zecken übertragenen Krankheiten wie die gefährliche Frühsommer-Hirnhautentzündung FSME begünstigen. „Es sieht so aus, als ob die Risikogebiete sich nach Norden ausbreiten. Das könnte mit dem Klima zusammenhängen“, sagte Littmann. Bislang gebe es aber absolute Einzelfälle im Nordosten, betonte sie. Diskutiert wird auch über eine mögliche Einwanderung der Malaria, die durch Stechmücken übertragen wird.

Warm mögen es auch Keime, die sich in Lebensmitteln entwickeln. Dazu gehören unter anderem die Salmonellen, die zu schwerem Erbrechen und Durchfall führen können. „Daher muss sowohl privat wie auch in Großküchen verstärkt auf Hygiene geachtet werden“, riet Littmann.

„Wir wollen kein Horrorszenario beschreiben, sondern alle Beteiligten für diesen neuen gesundheitlichen Themenbereich sensibilisieren“, erklärt Littmann den Hintergrund der Tagung in Schlemmin, zu der zahlreiche Humanmediziner und Tierärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst erwartet werden. Als Ergebnis könnten nach Ansicht Littmanns etwa die zahlreichen Reha-Kliniken im Land ihre Risikopatienten über die Gefahren informieren. „Dazu zählen vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, Ältere und Zuckerkranke.“ Die Gesundheitsämter könnten Urlauber aufklären.