Ähnlich wie beim Jupiter sind die Wolken zu breiten Bändern auseinandergezogen. Als einziger Planet im Sonnensystem besitzt Saturn zudem einen Mond mit einer dichten Atmosphäre. Dieser Begleiter namens Titan hat sich als einer der interessantesten Himmelskörper im ganzen Sonnensystem erwiesen.

Saturn ist der zweitgrößte Planet des Sonnensystems, ist aber mit einer mittleren Dichte von 0,7 Gramm pro Kubikzentimeter der spezifisch leichteste. Er würde sogar in Wasser schwimmen. Der Grund: Saturn besteht wie Jupiter fast ausschließlich aus Wasserstoff und Helium. Im Gegensatz zu dem größten Planeten besitzt Saturn aber einen kleineren Gesteinskern.

Die Saturn-Wolken sind nicht so farbenfroh wie die des Jupiters. Sie bestehen zum größten Teil aus Ammoniak, das bei Temperaturen um minus 190 Grad Celsius auskristallisiert ist. Im Saturn-Sommer entsteht ein weißer Fleck, der die Größe des Großen Roten Flecks erreichen kann. Allerdings löst er sich schon nach wenigen Wochen wieder auf. Da Saturn 29 Jahre für einen Umlauf um die Sonne benötigt, taucht der weiße Wirbel jahreszeitlich bedingt in etwa in diesem zeitlichen Abstand auf.

In einer Tiefe von 32 000 Kilometern wird der Wasserstoff zu einem flüssigen Metall, und im Zentrum ruht ein Gesteinskern mit einem Radius von etwa 16 000 Kilometer. Im äußeren Randgebiet der Schale aus metallischem Wasserstoff spielt sich ein exotischer Prozess ab, der Wärme produziert. Dort kondensiert Helium zu kleinen Tröpfchen aus. Diese sinken langsam zum Zentrum des Planeten und geben einen Teil ihrer Bewegungsenergie an Wasserstoffteilchen ab, wenn sie mit ihnen zusammenstoßen. Dabei entsteht Wärme. So erklärt es sich, dass Saturn etwa doppelt so viel Energie abstrahlt, wie er von der Sonne aufnimmt.

Das auffälligste Merkmal aber sind die Ringe des Saturns. Man unterscheidet heute sieben Ringgruppen, von denen sich die dichte Hauptgruppe (Ringe A bis D) über eine Breite von 70 000 Kilometern erstrecken. Tatsächlich handelt es sich um Tausende Einzelringe, die eine Dicke von etwa einem Kilometer besitzen. Verkleinert man das Hauptringsystem in Gedanken etwa auf die Größe eines Fußballfeldes, so wäre es nur einen Millimeter dünn. Die Ringe bestehen aus Teilchen, die wie eine Schar von Mikromonden aus Staub und Eis den Planeten umkreisen. Während die Partikel in einigen Ringen nur einige Tausendstel Millimeter groß sind, können in anderen Bereichen bis zu hausgroße Felsbrocken vorkommen, die mit einer Eisschicht überzogen sind.

Kurios ist der nur wenige Hundert Kilometer breite F-Ring. Er wird von zwei Monden flankiert, die knapp inner- und außerhalb des Ringes den Planeten umrunden. Diese beiden etwa 50 Kilometer großen Minimonde namens Prometheus und Pandora sorgen mit ihrer Schwerkraft dafür, dass die Ringteilchen sich nicht voneinander entfernen können, was sie normalerweise tun würden. Die beiden Monde verhindern damit, dass der Ring auseinanderläuft, weswegen man sie Schäferhund- oder Hirtenmonde nennt.

Der mit Abstand interessanteste Mond aber ist Titan. Mit einem Durchmesser von 5150 Kilometer ist er größer als der Planet Merkur, und er besitzt als einziger Mond eine dichte Atmosphäre. Sie besteht fast ausschließlich aus Stickstoff und Methan und erreicht am Boden einen Druck von etwa 1,5 Atmosphären bei Temperaturen um minus 180 Grad Celsius. Unter den dort herrschenden Bedingungen spielt Methan vermutlich eine ähnliche Rolle wie das Wasser auf der Erde. Methan-Wolken schweben in der Atmosphäre, aus denen organische Substanzen, wie Ethan und Propan, zum Boden herabrieseln und sich dort ablagern. Überhaupt ist die Titan-Atmosphäre das reinste Chemielabor, in dem eine Fülle von organischen Substanzen entsteht.

Die Landung der europäischen Raumsonde "Huygens" im Januar 2005 und Radarbeobachtungen der Saturn-Sonde "Cassini" haben den Wissenschaftlern zusätzliche Details dieser bizarren Welt vor Augen geführt. Auf den Bildern finden sich verästelte Kanäle, in denen vermutlich einmal eine Flüssigkeit geströmt ist. Ob dies auch heute noch der Fall ist, lässt sich nicht sagen. Mit "Cassinis" Radar entdeckten amerikanische Wissenschaftler aber in hohen nördliche Breiten bis zu 70 Kilometer große Becken mit extrem glatter Oberfläche, in die flussähnliche Gräben münden. Dies könnten theoretisch vorhergesagte Methan-Seen sein.

"Cassini" wird noch bis mindestens Juli nächsten Jahres im Saturn-System aktiv bleiben. Bis dahin wird die Sonde den Planeten 74-mal umrundet haben und 44-mal am Titan vorbeigeflogen sein. Eine neue Landesonde, die den geheimnisvollen Saturn-Mond genauer inspizieren könnte, ist derzeit nicht in Sicht.