Schon länger ertönen die Hilferufe für den Koala, der 20 Stunden am Tag schläft und sich ausschließlich von den berauschenden Blättern des Eukalyptusbaums ernährt. Doch diesmal ist es ernster denn je.

Im Bundesstaat Queensland „hatten wir den Koala auf der Liste der bedrohten Tierarten, die innerhalb von zehn Jahren auszusterben drohen“, sagt Deborah Tabart, Chefin der Australia Koala Foundation. Doch das könnte mittlerweile schon in sieben Jahren passieren. Und da in Queensland die landesweit größten Koala-Populationen zu finden seien, heiße das nichts Gutes für die Zukunft dieser Tierart auf dem gesamten Kontinent.

Die größte Bedrohung der Koalas sei der Verlust ihres Lebensraums durch Straßen- und Städtebau an der Ostküste, berichtet die Tierschützerin. „Ich bin fast durch das ganze Land gefahren, und alles was ich sehe ist Umweltvandalismus oder Zerstörung soweit das Auge reicht.“ Obendrein litten die Tiere in diesem Sommer (also während des europäischen Winters) unter einer der schlimmsten Dürreperioden des Jahrhunderts. Die daraus resultierenden, mörderischen Buschfeuer zerstörten Millionen Hektar Lebensraum. Tausende Koalas seien vermutlich durch die Brände ums Leben gekommen, meint Tabart.

Doch das sind noch nicht alle Gefahren, die die einst als „Bären“ bezeichneten putzigen Beuteltiere bedrohen: Inzucht hat in einigen Populationen zu genetischen Mutationen geführt und weitverbreitete Chlamydien, eine der Fruchtbarkeit schadende Geschlechtskrankheit, reduzieren die Zahl der Koalas weiter. Die friedlichen Vegetarier sind zudem eine beliebte Beute von Hunden.

Schon einmal wären die Tiere fast ausgestorben: In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden sie wegen ihres Fells gnadenlos gejagt. Die wenigen verbleibenden Exemplare wurden mit Züchtungen aufgestockt, die innerhalb der überlebenden Gruppen gezeugt wurden und deshalb unter genetischen Mutationen litten. Eine Menge Koalas ohne Hoden oder mit verformten Köpfen kamen daraufhin zur Welt, berichtet Frank Carrick von der Universität von Queensland.

Niemand weiß genau, wie viele Koalas es eigentlich noch gibt. Schätzungen reichen von 100.000 bis zu einer Million. „Obwohl wir keine exakte Zahl der Koalas in Australien haben, wissen wir doch eines: dass die Zahl abnimmt. Denn wir hören nicht auf, Bäume und damit ihre Nahrungsquelle abzuholzen“, sagt Carrick. Wenn nichts unternommen werde, dann werde die Zahl der Koalas ohne Zweifel stetig weiter zurückgehen, sagt auch Dan Lunney vom Umweltministerium des Bundesstaates Neusüdwales. Carrick sieht eigentlich nur eine Frage: „Wie wenige sollen sie eigentlich werden, bis wir auf den Panik-Knopf drücken?“

AFP/OC