Lungenfibrose

Prinzessin Mette-Marit leidet an unheilbarer Krankheit

Ein seltener Schritt für Königshäuser: Prinzessin Mette-Marit steht öffentlich zu ihrer Erkrankung. Sie leidet an einer Lungenfibrose.

Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit hat gesundheitliche Probleme.

Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit hat gesundheitliche Probleme.

Foto: Lise Aaserud / dpa

Oslo/Berlin.  Vor wenigen Tagen erst legte sie ihren ersten Auftritt überhaupt in einer norwegischen Fernseh-Talkshow hin. Gut gelaunt erzählte sie von Hausaufgabenhilfe zu Hause, wenn die Kinder plötzlich mehr über Mathe wissen als man selbst.

Jetzt steht die Kronprinzessin von Norwegen, Mette Marit, mit einer gar nicht heiteren Nachricht erneut im Rampenlicht: Sie leidet an einer chronischen Lungenkrankheit, einer Lungenfibrose.

„Ich hatte schon lange gesundheitliche Probleme, in den letzten Jahren wurden sie schlimmer. Es war ein langer Prozess, herauszufinden, was los ist, aber jetzt fangen wir an, ein paar Antworten zu bekommen“, sagte die Kronprinzessin am Mittwochabend im Norwegischen Rundfunk (NRK). „Und es zeigt sich, dass es chronischer ist als wir gehofft hatten. Aber gleichzeitig ist es eine große Erleichterung, mehr darüber zu wissen. Die Puzzleteile passen endlich zusammen.“

Königshaus wollte Spekulationen vorbeugen

Den Weg in die Öffentlichkeit wählte das Königshaus, um Spekulationen vorzubeugen. Denn künftig wird die Prinzessin weniger arbeiten. Je nach Tagesform, sagte sie selbst. Symptome ihrer Krankheit reichen von Kurzatmigkeit über Husten zu Atemnot und allgemeiner Erschöpfung. Das Lungengewebe vernarbt mit der Zeit mehr und mehr, die Lungenfunktion kann beeinträchtigt werden.

Auf die Frage, wie sie die Ungewissheit über den Verlauf ihrer Krankheit erträgt, rückte die Kronprinzessin in dem Interview zunächst fast philosophisch die Perspektive zurecht: „Ich glaube, es gehört sowieso zum Leben dazu, zu lernen, mit Ungewissheiten zu leben“, sagt sie, „und so ist es auch für mich.“ Dann wird sie wieder konkret: Sie sei optimistisch, was die Zukunft anbelange und froh darüber, „dass ich so gute Leute um mich herum habe. Und dass es so früh entdeckt wurde.“

Dass ihr Zustand in den vergangenen Jahren stabil geblieben und dass die Diagnose relativ früh gelungen sei, sei Anlass zu Optimismus, sagte auch ihr Mann, Kronprinz Haakon.

Der behandelnde Arzt, Kristian Bjøro vom Rikshospital in Oslo, erklärte dem NRK: „Diese Art von Krankheitsprozess hat einen unvorhersehbaren Verlauf. Normalerweise ist die Entwicklung langsam und kann medizinisch kontrolliert werden.“

Gesundheit von Mette-Marit schon lange Thema

Die Ärzte schätzen diese seltene Form der Lungenfibrose bei ihrer prominenten Patientin als Autoimmunkrankheit ein – bei der das Immunsystem also fehlerhaft eigenes Gewebe angreift – ein und prüfen derzeit noch, ob auch andere Organe betroffen sein können, wie der Professor sagte.

Die Gesundheit der norwegischen Kronprinzessin ist schon seit Jahren immer wieder Thema in Norwegen. Im Herbst 2015 blieb sie wegen „wiederholter Atemwegsinfektionen“ von einer Brasilienreise zu Hause. Auch zur Eröffnung eines Seminares der Kinderrechtsorganisation „Right to Play“ kam 2016 unangekündigt nur der Kronprinz – am Tag vorher hatte seine Frau das Königshaus noch bei einer Bibliotheksveranstaltung repräsentiert.

Lob für ihren offenen Umgang mit der Lungenfibrose

Absagen hatte es auch schon wegen Rücken- und Nackenprobleme nach einem schweren Sturz gegeben. Aber diese neue Wendung lässt die Kritiker, die die Kronprinzessin für empfindlich hielten, nun zumindest vorerst verstummen.

Stattdessen gibt es Lob für ihre Offenheit: „Das wird es für andere leichter machen, über ihre eigene Gesundheit zu sprechen“, sagte etwa der Vorsitzende der Arbeiterpartei, Jonas Gahr Støre laut dem norwegischen Rundfunk NRK. „Ich fühle mit Kronprinzessin Mette Marit und ihrer Familie.“

Auch Staatsministerin Erna Solberg von der konservativen Partei Høyre schickte der Kronprinzessin „warme Gedanken“. Es sei das wichtigste, dass die Kronprinzessin gute Behandlung und Betreuung bekomme, sagte sie.

Königshaus-Anhänger feiern Prinzessin für Offenheit

Viel Unterstützung kommt auch von Privatpersonen in den sozialen Netzwerken. Viele wünschten „Gute Besserung“ – obwohl das nun die eigentliche Nachricht war: Dass es keine Besserung im klassischen Sinne gibt, keine Heilung.

Wie wichtig die Bekanntmachung für andere Betroffene sein kann, betonte Olav Kare Refvem, Lungenspezialist der norwegischen Bereinigung für Herz- und Lungenkranke: „Für uns bedeutet es viel, dass eine so herausragende Person wie die Kronprinzessin tatsächlich darüber spricht und selbst ein Teil davon ist. Es geht darum, sich mit einer Person identifizieren zu können, die bekannt ist.“

Dass die Kronprinzessin im Interview mehrfach betont hat, wie sehr sie sich darauf freue, so viel wie möglich weiter zu arbeiten, bewertet der Arzt ebenfalls als sehr wichtig: Es setze ein Signal, dass es immer noch Möglichkeiten gibt, selbst wenn man so eine Diagnose bekommt.

Die Offenheit der Kronprinzessin wird mit der des früheren Staatsministers Kjell Magne Bondevik verglichen. Er hatte sich 1998 krankschreiben lassen, ganz offen wegen „einer depressiven Reaktion als Folge von Überlastung“. Er kam zurück. Das gilt in Norwegen bis heute als kulturverändernd – und als einzig richtige Methode des Umgangs mit seiner Krankheit.