Film

Warum sich Veronica Ferres mehr Besonnenheit wünscht

In „Hectors Reise“ spielt Veronica Ferres neben Jean Reno eine Wahrsagerin, in „Die Staatsaffäre“ die Bundeskanzlerin dar. Ein Gespräch über Angela Merkel, Eskorten und den kommenden 50. Geburtstag.

Foto: Arne Dedert / dpa

Berliner Morgenpost: Glückwunsch zum Familien-Nachwuchs.

Veronica Ferres: Herzlichen Dank!

In wessen Bett schläft Ihr kleiner Welpe, den Sie laufend auf Facebook posten?

Sie hat ihr eigenes Körbchen, schlüpft aber ab und zu auch mal in fremde Betten (Sie lacht).

Zum Beispiel, wenn Sie verreisen? Dienstag kommen Sie nach Berlin, zur Premiere von "Hectors Reise". Freuen Sie sich auf die Hauptstadt?

Ich schätze Berlin sehr für seine große Vielfalt in allen möglichen Bereichen und freue mich immer, wenn ich dorthin komme. Während der Berlinale schätze ich die Atmosphäre am Potsdamer Platz sehr, die vielen filmbegeisterten Menschen und den internationalen Flair. Im Sommer zieht es mich eher in die kühleren Parks oder in die vielen schönen Cafés.

Apropos international: In "Hector" spielen Sie mit Simon Pegg, Jean Reno und Toni Collette, ein weiteres Filmprojekt mit John Malkovich läuft ebenfalls. Wann geht es endgültig nach Hollywood?

Gar nicht. Mein Herz schlägt für den deutschen Film. Hier fühle ich mich wohl und zu Hause. Trotzdem machen die kleinen Ausflüge in die internationale Filmwelt sehr viel Spaß.

Was ist an einem internationalen Projekt anders als an einer deutschen Produktion?

Es sind meist wesentlich größere Teams als in Deutschland. Zeitlich ist alles genau durch getaktet. Beim Dreh von „Hector“ habe ich oft in der Mittagspause vor lauter Trailern meinen eigenen gar nicht finden können. Der Cast bestand aus vielen wunderbaren internationalen Kollegen. Die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Peter Chelsom war unglaublich und hat mich sehr inspiriert und bereichert. Er fordert seine Schauspieler sehr, macht das aber auf eine so liebevolle Art und Weise, dass man automatisch sein Bestes geben möchte. Auch Simon Pegg war ein toller Kollege, mit dem das Spielen sehr, sehr viel Freude gemacht hat. Er hat mir unter anderem das Twittern beigebracht.

Ach. Ihr Social-Media-Verhalten wird nicht überall positiv aufgenommen. Die „Huffington Post“ forderte nach Ihren Twitter-Bildern zur WM, auf denen Sie sich unter anderem im deutschen Fan-Trikot auf einem argentinischen Bullen reitend präsentierten: „Aufhören! Jetzt!“ Auf Facebook und Twitter, anscheinend auch dank Mr. Pegg, verraten Sie viel über Ihr Privatleben, wohingegen Fragen nach dem Privatleben seitens der Presse nicht mehr erwünscht sind.

Das bin ich meinen Fans schuldig und lasse sie gerne bis zu einem bestimmten Grad an den Hintergründen meines Lebens teilhaben. Jedoch gibt es da natürlich auch Grenzen. Mein Privatleben ist mir sehr wichtig, bestimmte Dinge werden auch für immer privat bleiben.

Im Gegensatz zu früher, nicht nur die Hochzeit mit Martin Krug in der Kutsche bleibt unvergessen. Sie haben anscheinend Spaß an Social Media?

Ja, Wahnsinn. 17.000 Fans auf Facebook und fast 70.000 Follower auf Twitter. Wie gesagt, bis zu einem bestimmten Grad finde ich es vollkommen okay und ich möchte meine Fans auch an meinem Leben teilhaben lassen. Die Unterstützung, die mir durch sie in den letzten 25 Jahren zuteil wurde, ist enorm und ich bin sehr dankbar dafür.

Medial steht Ihr Spiel oft in der Kritik.

Wenn man in der Öffentlichkeit steht und auch noch einigermaßen erfolgreich ist, gibt es immer Kritiker, Neider oder Miesmacher. Das ist einfach so und wird auch immer so bleiben. Ich habe gelernt, damit umzugehen. Oft ist es besser, nicht alles zu lesen, was über einen geschrieben wird. Das erspart viel Ärger. Zudem arbeite ich nicht an meinem Image sondern an meinem Charakter, denn auf den habe ich Einfluss.

À la Astrid Lindgren: „Lass Dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar“?

Ganz genau. Sei du selbst – egal, was die anderen sagen - und mache dein Ding. Sich selber treu zu bleiben, ist am Ende das Wichtigste und es gibt einem enorme Freiheit.

In „Hector“spielen Sie eine Wahrsagerin, die in psychiatrischer Behandlung ist. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Ich war tatsächlich mit Perücke verdeckt bei einigen Wahrsagern. Obwohl ich eher kritisch dazu stehe, konnten mir die Damen teilweise Erstaunliches über bestimmte Situationen in meinem Leben sagen. Das hätten sie nicht wissen können, auch wenn sie gewusst hätten, wer ich tatsächlich bin.

Wen fragen Sie um Rat, wenn Sie Probleme haben?

Wenn ich Probleme habe, oder mal einen Rat brauche, dann wende ich mich an meine Familie oder an Freunde. Menschen, die einen kennen, sind immer noch die besten Ratgeber, da sie spezifische Tipps geben können und damit wirklich weiterhelfen.

Was ist Glück?

Oft ist es etwas sehr Flüchtiges, ein „blink of an eye“. Und was man als Glück bezeichnet, ist oft Einstellungssache. So banal es klingt: Das Glas ist eben entweder halbleer oder halbvoll.

Wie voll ist das Glas bei Ihnen? Was bedeutet Glück für Sie?

Glück hat für mich viele Formen. Manchmal ist es ein Lächeln eines Fremden auf der Straße, manchmal ein gutes Essen, sehr oft der liebende Blick meiner Tochter. Generell strebe ich mehr nach Erfüllung als nach Glück, denn Erfüllung ist etwas Tieferes, weniger Schnelllebiges. Dazu gehört, dass die Familie gesund und zufrieden ist und dass es im Beruf gut läuft.

Warum, glauben Sie, wollen Ihnen viele die nette Veronica, die privat ihr Glück gefunden hat, jeden Abend kocht und ein gediegenes Familienleben führt und beruflich seit Jahrzehnten Erfolge feiert, nicht abkaufen?

Ganz klar: Weil sie sich von einer Schauspielerin, die bereits über 70 verschiedene Rollen verkörpert hat und in Zeitschriften bei öffentlichen Anlässen in tollen Abendkleidern abgelichtet ist, eben ein anderes Bild machen. Doch Bilder sind schnell gemacht und nicht immer sind sie richtig. Hinter den Kulissen bin ich genauso eine Mutter, Tochter, Schwester oder Freundin wie jede andere Frau.

Welche Schwächen würden Sie sich denn selbst bescheinigen?

Manchmal bin ich etwas zu impulsiv und denke nicht immer genügend nach, bevor ich handle. Ein bisschen mehr Besonnenheit würde mir ganz gut tun. Wobei diese Charaktereigenschaft sicher auch schon öfters dazu beigetragen hat, dass ich Dinge verwirklichen konnte. Es gibt da diesen Spruch: Wer lange wartet, geht lange irr… Der passt ganz gut zu mir (Sie lacht).

Google schlägt zu Ihrem Namen folgende passende Ergänzungen vor: "Größe", "Gewicht", "abnehmen" und "Stoffwechseldiät". Nervt Sie das Thema Ernährung in Bezug auf Ihre Person?

Nicht wirklich. Ich lebe nun schon so viele Jahre damit. Wenn das am Ende bewirkt, dass mehr Menschen auf ihre Ernährung achten oder zumindest darüber nachdenken, ist das doch auch ganz nett. Es gibt an allem auch eine positive Seite.

Im kommenden Jahr werden Sie 50. Wie werden Sie feiern?

Bis dahin werden noch ein paar Filme gedreht und es steht noch einiges anderes an. Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch keine großen Gedanken gemacht. Auf jeden Fall möchte ich meine liebsten Menschen um mich herum haben.

Machen Sie sich viel Gedanken um das Alter?


Ich versuche, mich nicht zu sehr davon dirigieren zu lassen. Außerdem bin ich stolz auf mein Alter und die Lebenserfahrung, die ich in all den Jahren gesammelt habe. Das kann einem niemand mehr nehmen, dafür bin ich dankbar.


Und welche Wünsche haben Sie für Ihren zweiten Lebensabschnitt?

Wenn meine Familie gesund und glücklich ist, es beruflich so weiter läuft, wie im Moment, und immer wieder spannende Herausforderungen auf mich warten, bin ich mehr als zufrieden.

In vier Wochen feiert die Sat.1-Produktion „Die Staatsaffäre“ Premiere in Berlin - Sie spielen die Kanzlerin. Eine Traumrolle?

Definitiv eine sehr spannende Rolle. In unserer Komödie hat sie eine Liebesaffäre mit dem französischen Staatspräsidenten. Es hat tierisch Spaß gemacht, während der Dreharbeiten mit „Frau Bundeskanzlerin“ angesprochen zu werden oder mit Eskorte durch Berlin zu fahren. Doch ich beneide Angela Merkel nicht um ihren Job. Die Verantwortung, die sie trägt, ist enorm und der Druck der Öffentlichkeit riesig.

Sie darzustellen, dürfte für einen Schauspieler den Karrierehöhepunkt bedeuten. Was kann oder soll bei Ihnen noch kommen?

Da gibt es viele Geschichten und Figuren, die mich noch reizen. Erstmal freue ich mich sehr, wieder im Komödienfach angekommen zu sein, das macht mir sehr viel Spaß.

Haben Sie von Frau Merkel schon eine Rückmeldung bekommen - oder wissen Sie, was sie von der Produktion hält? Die Kanzlerin, die Sie verkörpern, ist 40, Single und - wie Sie bereits erwähnten - in den französischen Staatspräsidenten verliebt...

Genau. Als ich Angela Merkel kurz bei einem Empfang von dem Film erzählt habe, war sie sehr amüsiert. Ich hoffe, dass sie ihn mag. Es wäre schön, wenn sie auch darüber lachen könnte.

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