Alle, die schon einmal eine Schlagzeile machen mussten, wissen es: Erfolg verführt zur Wortspielerei. Das sieht man zum Beispiel an den Titeln von literarischen Bestsellern, die dann in abertausenden Varianten und ganz anderen Sinnzusammenhängen wieder auftauchen: Die „Vermessung der Welt“ wird dann zur „Vermessung des Weltraumschrotts“, „Endstation Sehnsucht“ zur „Endstation Gelsenkirchen“ und die „Stillen Tage in Clichy“ werden zu den unvermeidlichen „Stillen Tagen im Klischee“. Dieses Schicksal bleibt auch Filmen nicht erspart. Oder hätte Claudia Gardes Fernsehfilm „Das Glück der Anderen“ auch so geheißen, wenn es den Film „Das Leben der Anderen“ nicht gegeben hätte?
Wir werden es nicht erfahren. Stattdessen lernen wir Ellen König (Veronica Ferres) kennen, und zwar zunächst als ganz patente und dem ersten Eindruck nach stabile Standesbeamtin, die seit Jahren routiniert eben das Glück der anderen besiegelt, indem sie sich Unterschriften geben lässt und dann das Jawort anhört. Gerade tut sie es zum 1746. Mal. Das kann dann ja eigentlich so weiter gehen, denkt der Zuschauer, doch dann lernt er die andere Ellen König kennen.
Mit Perücke zum Juwelier
Die streift sich nämlich eine Perücke über, besucht Juweliere, klaut Ringe, vertickt diese dann an einen befreundeten Hehler und geht dann ihrer heimlichen Leidenschaft nach: dem Kaufrausch. Zu Hause lebt sie in einer gigantischen Sammlung aus Klamotten und Stoffigeln, die sie davon ablenken sollen, dass sie eigentlich unglücklich ist. Ihr ehemaliger Lebensgefährte kuschelt schon seit einiger Zeit mit einer anderen und hat auch kaum Probleme damit, sie das wissen zu lassen.
Und so kommt es, wie es kommen muss: Eines Tages wird Ellen König erwischt, zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und lernt ihren Therapeuten Christian (Dominic Raacke) kennen. Und was passiert? Genau.
Bäumchen, wechsle dich
Aber die sich anbahnende Liebesbeziehung steht natürlich vor Schwierigkeiten, nicht nur weil Ellen König einen Knall hat (einer ihrer Stoffigel heißt Norbert und ist Ansprechpartner für alle Liebesprobleme), sondern auch, weil sie natürlich Christians Patientin ist und Christian zudem eine Frau hat (Tatjana Alexander), die gerade auf der Suche nach einer gemeinsamen Wohnung ist.
Und so beginnt das vertraute Bäumchen-wechsle-dich-Spiel, rhythmisch unterbrochen von Therapiesitzungen, Frust mit dem Expartner und Besuchen bei der demenzkranken Mutter (der Ellen in einer etwas melodramatischen Szene Erziehungsversäumnisse vorwirft). Es kommen auch ein Vibratorwitz und etwas Sex vor. Und wenn man den etwas schnittmusterbogenhaft verlaufenden Plot und die vielen Klischees einfach ignoriert, wenn man vor allem Veronica Ferres mag und ihre oft arg auf Kindchenschema heruntergespielte Kleinmädchen-Attitüde, wenn man Freude hat an kleinen Details in Ausstattung und in den Dialogen: Dann kann hier vielleicht so etwas wie die Freude des Vorhersehbaren empfinden. So wie man ja auch nicht zum Imbiss geht, um dort kulinarische Sensationen zu erleben.
„Das Glück der Anderen“: ZDF, 7. 4., 20.15 Uhr




