Geburtstag

Peter Kraus geht mit 75 in Rock’n’Roll-Rente

Peter Kraus feiert heute seinen 75. Geburtstag und geht mit seinem neuen Album auf Abschiedstournee. Die Morgenpost sprach mit ihm über Musik als Provokation, Wehmut und lange Abende an der Bar.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Er wurde 1939 als Peter Siegfried Krausnecker in München geboren und wurde als Peter Kraus zum ersten deutschen Rock’n’Roll-Star. In den 50er- und 60er-Jahren brachte er mit Hits wie „Sugar Baby“ Teenager-Mädchen um den Verstand und Eltern an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Wie sein Vorbild Elvis Presley war er außerdem in zahlreichen Filmen zu sehen.

Am heutigen Dienstag feiert Peter Kraus seinen 75. Geburtstag. Mit seinem neuen Album „Zeitensprung“ geht er im Herbst auf „Das Beste kommt zum Schluss“-Abschiedstournee. Am 21. Oktober 2014 ist er im Tempodrom zu Gast.

Berliner Morgenpost: Warum gehen Sie ausgerechnet jetzt auf Abschiedstournee?

Peter Kraus: Das hat mit dem Alter oder besser gesagt mit einer gewissen Reife zu tun. Ich habe so viele Hobbys und Pläne, für die ich mir in Zukunft mehr Zeit nehmen möchte. Das sind meine verschiedenen Wohnsitze, mein Bauernhof, wo ich Wein anbaue, meine Oldtimer und natürlich meine Frau und mein Sohn. Es gibt doch so viele Dinge, die das Leben herrlich machen. Das Leben ist ja nicht nur Arbeit. Aber das heißt nicht, dass ich nie wieder Musik machen will. Es ist nicht mal ein Abschied von der Bühne. Wenn Sie Geburtstag haben und wollen, dass ich auftrete, dann komme ich sofort. Aber so eine Tour geht schon an die Substanz.

Wie sieht das Tourleben bei Ihnen aus?

Ich werde mir dieses Mal einen Fahrer nehmen. Sonst bin ich immer selbst gefahren. Eigentlich hatte ich schon bei der letzten Tour einen, aber den habe ich dann hinten ins Auto gepackt. Da bin ich doch zu quirlig. Und ich fahre gern selber. Ich weiß sonst auch nicht, mit was ich mich während der Fahrt beschäftigen soll. Ich kann im Auto nicht lesen.

Wie wird „Das Beste zum Schluss” bei Ihnen aussehen?

Ich werde nur Hits spielen. Das erwarten die Fans. Ich will den Leuten nichts Neues mehr zumuten. Es wird ein Hitfeuerwerk aus 50er-Jahre-Arrangements. Ich habe eine Band und einen Chor, damit wir so richtig „Schubidubap“ singen können.

Früher haben Sie mit Ihrer Musik die Elterngeneration provoziert, heute übernehmen diese Rolle Rapper wie Bushido. Was halten Sie von dieser Musik?

Unsere Provokation lief ja damals nicht über die Texte. Ich weiß eigentlich bis heute nicht, warum wir von manchen Radiosendern nicht gespielt wurden. Ich glaube, die ältere Generation war damals sehr schnell mit dem Zeigefinger, wenn es darum ging, was die Jugendlichen mochten. Manchmal passiert es heute, dass Eltern von damals zu mir sagen, sie könnten gar nicht mehr nachvollziehen, warum sie ihren Kindern meine Musik verboten haben. Solche Provokationen wie die von Bushido brauche ich persönlich nicht. Bei uns war es damals trotz allem so, dass wir die Aufgabe hatten, Vorbilder zu sein. Ich habe deshalb zum Beispiel niemals Zigaretten geraucht. Es gibt ganz im Gegenteil sogar Bilder von mir mit einer Milchflasche. Für mich ist es unverständlich, mit solcher Provokation Promotion zu machen. Und ich finde es erschreckend, dass es so gut funktioniert.

Wie feiern Sie Ihren Geburtstag?

Ich habe morgens einen Auftritt im Frühstücksfernsehen. Dann fliege ich nach München und werde dort bei „Schuhbeck“ im kleinen Kreis feiern. Ich freue mich besonders, dass Conny Froboess kommt. Aber eigentlich bin ich kein Geburtstagsfeierer. Ich würde das am liebsten ausfallen lassen. Aber ein bisschen muss ich eben auch für die Promo zur Tour und zum neuen Album machen. Sie hätten mich sonst sicher auch nicht angerufen.

Glauben Sie, Sie halten die Tourabstinenz durch oder wird es vielleicht nur eine von vielen Abschiedstouren?

Ich habe ja nicht gesagt, wie lange die Abschiedstour dauern wird. Es wird keine zweite geben. Aber ich sage auch immer: Sag niemals nie.

Was sagt Ihre Frau zu Ihrem Abschied vom Tourleben?

Meine Frau ist erleichtert. Sie macht sich schließlich Sorgen um mich. Aber sie ist auch eine liebende Ehefrau, die mich auf meinen Touren immer begleitet und aufpasst, dass ich nach den Konzerten nicht zu lange mit den Jungs an der Bar sitze. Ich denke eher: Was ist denn so anders, als wenn wir einfach in den Urlaub fahren? Sie sieht eher den Stress. Und schließlich will ich ja nicht nur 45 Jahre verheiratet sein, sondern 60 oder 70.

Wie haben Ihre Fans die Nachricht von der Abschiedstour aufgenommen?

Sie glauben mir nicht. Ich glaube, die Fans denken, ich mache es wie Howard Carpendale.

Schauen Sie angesichts dieser Tour auch mit ein bisschen Wehmut zurück?

Nein, bei mir gibt es eigentlich keine Sentimentalität. Und wenn doch, dann verdränge ich das und versuche, nicht darüber zu sprechen.

Wie werden Sie fit für die Tour?

Die Tour liegt günstig. Im Sommer bin ich sowieso viel mit meinem Segelboot draußen oder gehe schwimmen. Ich habe kein wirkliches Fitnessprogramm. Bei mir muss Sport vor allem Spaß machen. Wenn ich im Sommer mit dem Kanu raus auf den See fahre, mache ich das zum Vergnügen. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich das dann jeden Tag mache, weil es so gesund ist.

Wie hat sich Ihr Tourleben im Laufe der Jahre verändert?

Ich glaube, dass ich immer noch die gleiche Leistung bringen kann wie früher. Nur die Nachwirkungen sind heute schlimmer. Die Wiederbelebung dauert länger. Ich muss mich wohl damit abfinden, dass nicht mehr alles so geht wie früher.