Musik

Peter Maffay kehrt zurück zu seinen Wurzeln als Rocker

Auf seinem neuen Album „Wenn das so ist“ schlägt Peter Maffay seit längerer Zeit wieder einmal rockigere Töne an - und das mit 65 Jahren. Doch Rente ist für den Sänger keine Option.

Foto: © Andreas Ortner / Andreas Ortner

Eigentlich hatte das Jahr für Peter Maffay sehr gut angefangen. Sein 23. Studioalbum „Wenn das so ist“ , das am 17. Januar erschienen ist, stieg auf Platz eins der Charts ein und machte ihn damit zum erfolgreichsten deutschen Chartkünstler aller Zeiten. Am 7. Februar begann der Vorverkauf für die dazugehörige Tour, die ihn im kommenden Jahr durch die größten Hallen und Arenen Deutschlands – unter anderem am 7. Februar 2015 in die O2 World in Berlin – führen wird.

Doch dann kam wieder einmal Bushido dazwischen, der Ende Februar in einem Interview mit der „Welt“ verlauten ließ, Peter Maffay habe ihm per Brief und Anruf körperliche Gewalt angedroht, wenn er seine frauen- und schwulenfeindlichen Äußerungen nicht unterlasse. Mit dem Rapper hatte Peter Maffay 2011 eine Version seines Hits „Nessaja“ aufgenommen und sogar die Laudatio gehalten, als dieser mit dem Bambi-Integrationspreis ausgezeichnet worden war.

Dass es für diese Auszeichnung massive Kritik gab, ließ Maffay zunächst kalt. Zumindest bis Dezember desselben Jahres, als sich der Sänger plötzlich von seinem Kollegen distanzierte und – laut Bushido – zu Stift und Telefonhörer griff, um seiner Aussage Nachdruck zu verleihen. Zu den Vorwürfen seines einstigen Freundes will sich Peter Maffay nach einem Dementi in der „Bild“-Zeitung nicht mehr äußern. Lieber spricht er über seine Musik, denn um die sollte es in diesem Jahr eigentlich gehen.

„Ich fühle mich heute fitter als vor 20 Jahren“

Auf „Wenn das so ist“ schlägt Maffay seit längerer Zeit wieder einmal rockigere Töne an. „Wir waren in den vergangenen Jahren ein wenig anders unterwegs“, sagt er in Anspielung auf das Orchester-Best-of-Album „Tattoos“ von 2010 und das letzte „Tabaluga“-Album „Tabaluga und die Zeichen der Zeit“. „Jetzt basteln wir an den nächsten 40 Jahren.“

Wer so redet, für den scheint der Ruhestand noch in weiter Ferne zu liegen. Und das, obwohl Peter Maffay mit seinem 65. Geburtstag im August dieses Jahres das deutsche Renteneintrittsalter seiner Generation erreicht. „Ich sehe mein Alter jeden Morgen, wenn ich beim Zähneputzen in den Spiegel schaue. Trotzdem fühle ich mich heute fitter als vor 20 Jahren“, so der Sänger. Zu verdanken habe er das dem Verzicht auf Zigaretten und harten Alkohol. „Damit habe ich es früher ein wenig übertrieben. Außerdem bin ich in einer stabilen Partnerschaft. ‚Niemals war es besser’ heißt nicht umsonst ein Song auf dem Album.“

Besonders freut sich Peter Maffay deshalb auf die anstehende Tour. Nachdem er und seine Band die neuen Songs bereits Mitte Januar bei einer Album-Präsentation in München getestet haben, blickt er optimistisch auf die Konzerte im kommenden Jahr. „Die Reaktionen, die wir bisher bekommen haben, waren sehr positiv. Wenn ein Album nicht stimmig ist, gehen die Leute beim Konzert Bier holen. Und das ist nicht passiert“, sagt der Sänger. „Eine Tour ist für mich niemals ein notwendiges Übel.“ Nur selten gebe es Abende, an denen er sich frage, „wer zum Teufel nur die Idee hatte, heute aufzutreten.“ Aber: „Musik ist für mich jeden Tag eine Leidenschaft wie essen, trinken und andere schöne Dinge.“

Spurensuche bei den musikalischen Vorbildern der vergangenen Jahre

Seine Fans erwartet dieses Mal Peter Maffay im Urzustand. „Wir wollten wieder so spielen wie am Anfang. Im Laufe der Jahre mussten wir häufig die Einflussnahme von anderen hinnehmen. Jetzt spielen wir wieder die Musik, die uns gefällt. Egal, ob sie dann im Radio gespielt wird oder nicht“, sagt der gebürtige Rumäne, der mit seiner Frau Tanja und dem gemeinsamen Sohn Yaris in Tutzing am Starnberger See und auf Mallorca lebt. „Das bringt eine ganz neue Unbeschwertheit mit sich.“

Dass Peter Maffay stets von „wir“ und nicht von „ich“ spricht, wenn es um seine Musik geht, hat einen sympathischen Grund: Die enge Zusammenarbeit mit seiner Band ist ihm sehr wichtig. „Auch wenn ich auf den Plakaten vielleicht immer ein bisschen mehr im Vordergrund bin, bei uns entscheiden wir alles gemeinsam. Wir zetteln alle Geschichten zusammen an und baden sie gemeinsam aus“, sagt er. Und so ist auch das aktuelle Album nicht das Ergebnis eines Einzelkampfes.

Für die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln begaben sich alle Bandmitglieder zusammen auf Spurensuche bei den musikalischen Vorbildern der vergangenen Jahre. „Dieses Mal wollten wir herausfinden, welche Fingerabdrücke unsere musikalischen Heroes von damals bis heute bei uns hinterlassen haben“, so Peter Maffay. „Dabei fielen dann Namen wie Jimi Hendrix, Eric Clapton, Queen und Chuck Berry. Das hat den roten Faden für das Album ergeben.“ Der Name Bushido taucht in dieser Aufzählung nicht auf.