Etwas, über das man nicht lachen darf, gibt es nicht. Das meint zumindest Thomas Hermanns. Zumindest, wenn es stilvoll, angemessen und mit ein wenig Tiefe ist. „Wenn man bei Monty Python die Gags über Beerdigungen und Krankheiten weglassen würde, dann bliebe nicht viel übrig“, sagt der 50-Jährige, dessen Markenzeichen sein breites Grinsen und seine Liebe zu Abba und Karaoke sind. Und Thomas Hermanns ist einer, der es wissen muss. Als Vater der deutschen Stand-up-Comedy weiß er, worüber die Republik lacht. Und das bereits seit mehr als 20 Jahren.
Drei Stunden „Quatsch Comedy Club“
Am kommenden Sonnabend (20.15 Uhr, ProSieben) präsentiert der gebürtige Rheinländer eine dreistündige Version seiner Erfolgssendung „Quatsch Comedy Club“, die seit 1997 bei ProSieben läuft und in der „Kleinen Revue“ unterhalb des Friedrichstadt-Palastes aufgezeichnet wird. Neben Comedians wie Michael Mittermeier und Bülent Ceylan wird US-Komiker Will Ferrell dabei sein – ebenso wie Prominente wie Barbara Schöneberger, H.P. Baxxter und Axel Stein, die sich als Comedians versuchen müssen. „Ich bin der Gastgeber der Sendung, würde ich sagen – obwohl ich die englische Bezeichnung ,Host‘ eigentlich besser finde“, sagt Hermanns.
Der Ablauf einer normalen Show ist simpel: Hermanns selbst reißt ein paar Gags, dann kündigt er seine Kollegen an und übergibt ihnen die Bühne. Damit hat er über die vielen Jahre hinweg einigen deutschen Komikern den Weg für eine erfolgreiche Karriere geebnet. Von Mario Barth über Kaya Yanar bis zu Cindy aus Marzahn und Matze Knoop – sie alle standen auf Hermanns‘ Bühne. Er selbst kann besonders über Komiker lachen, die er „Surrealisten“ nennt, beispielsweise Johann König oder Olaf Schubert. „Das sind Leute, die ihren eigenen Planeten im Kopf haben“, erklärt er. „Bei denen weiß man nie, woher die Gags kommen.“
Karriere ohne Mentor
Anders als er selbst, der gerne dem Nachwuchs zum Erfolg verhilft, hatte Hermanns zu Beginn keinen Mentor, der ihm eine Bühne für seine ersten Auftritte bot. „Wenn, dann könnte ich mal ganz großspurig die Stadt New York als Lehrer nennen, weil ich dort eine große Entwicklung durchgemacht habe“, sagt der Theaterwissenschaftler.
Nach seinem Studium in München machte er für ein Jahr einen Abstecher in die USA, um sich Inspirationen für seine Karriere zu holen – mit Erfolg. Er entdeckte kleine Kellerclubs, in denen Comedians auftraten, wurde auf Karaokebars aufmerksam und nahm diese Ideen mit zurück nach Deutschland. Genau wie seine bis heute anhaltende Überzeugung: „Nicht immer kommt jemand, um zu helfen. Am besten, du nimmst dein Leben selbst in die Hand.“ Seitdem ist er nicht nur als Comedian, sondern auch als Drehbuchautor oder Moderator in Deutschland erfolgreich.
Wahrscheinlich auch deshalb, weil er nicht immer versucht, lustig zu sein. „Ich bin nicht der, der am Tisch die Witze erzählt. Aber die meisten Menschen können schon trennen zwischen der Fernsehfigur und dem privaten Thomas Hermanns“, sagt er. „Gerade, wenn ich Bücher schreibe, oder so. Dann bin ich auch ganz ruhig und mache keine Sperenzchen.“ Einen ähnlichen Tenor habe seine Arbeit – so unterschiedlich sie auch ist – aber immer. „Sie ist immer unterhaltsam, mit einem gewissen Charme verbunden“, sagt Hermanns. „Die Gags sind nicht gemein, sondern freundlich. Es gibt eine Temperatur in meiner Arbeit, die alles verbindet.“
Comedy kommt nie aus der Mode
Natürlich weiß Hermanns, dass sein Erfolg auch an einem besonderen Faktor liegt: Comedy kommt nie aus der Mode, die Menschen wollen immer lachen. „Die Themen spiegeln immer auch ein wenig die Gesellschaft wider“, erklärt er. „Comedy ist ein guter Seismograf für gesellschaftliche Veränderungen und Themen.“ Gleichzeitig wachse die Welt immer weiter zusammen. „Wenn man sich die Komödien und Sitcoms anschaut, dann wird klar, dass die Menschen ähnliche Dinge lustig finden“, sagt Hermanns. Im Iran dürfe man zwar nicht über all das lachen, worüber man in Deutschland lacht, aber: „Wenn sie es dürften, würden sie es wahrscheinlich tun.“




