Neue CD

Barbara Schöneberger ist die deutsche Streisand

Barbara Schöneberger veröffentlicht ihr neues Album „Bekannt aus Funk und Fernsehen“. Dabei weiß sie selbst nicht genau, ob sie Moderatorin oder Sängerin ist - oder vielleicht einfach beides.

Foto: Krauthöfer / Jörg

Ja, die Ohrringe, die sind schwer. Und das Kleid eng. Und natürlich tun die Füße in den hohen Schuhen weh, sagt Barbara Schöneberger, keine Frage. „Aber ich würde mir sogar kleine Autos an meine Ohren hängen, wenn’s schick aussehen würde“, sagt die Moderatorin und lacht – genau, wie man es aus dem Fernsehen kennt. Und deshalb heißt ihr drittes Album, das am heutigen Freitag veröffentlich wird, auch genau so: „Bekannt aus Funk und Fernsehen.“ „Man wollte mich überreden, die CD ,Die Schöne und das Lied’ zu nennen, aber da habe ich gesagt ,Ohne mich’, betont die 39-Jährige beim Interview in den „Emil Berliner Studios“ in Mitte. „Sonst denken die Leute noch: Jetzt redet die schon von sich in der dritten Person und denkt sie wäre schön’. So was kommt mir nicht auf den Titel.“

Singende Moderatorin oder eine Sängerin, die moderiert

Nach „Jetzt singt sie auch noch!“ und „Noch mal, nur anders“ ist es nun also das dritte Album von Barbara Schöneberger, die nicht weiß, ob sie eine singende Moderatorin ist oder eine Sängerin, die moderiert. Aber vor allem ist sie eines: authentisch und uneitel. „Ich sehe mich als Dienstleister“, sagt die Berlinerin. „Ich mache das, was die Leute von mir verlangen. Wenn jemand sagt, spring’ durch den brennenden Reifen, mache ich das, wenn das Umfeld attraktiv ist und der Auftraggeber mich freundlich darum bittet.“

Problematisch wird es für Barbara Schöneberger nur, wenn die Auftraggeber ihr zu sehr in die Arbeit reinreden wollen. Dann würde sie „Beklemmungen bekommen“, weil sie eben nur authentisch überzeugen könne. „Ist wirklich so“, betont Schöneberger. „Ich werde gebucht und dann sagt mir einer: Bitte nicht so spontan. Und das Kleid nicht so eng, und kein großer Ausschnitt. Und nicht zu frech. Daraufhin hab ich denen geraten: Dann nehmen Sie doch Nina Ruge.“

Redet am liebsten über andere, als über sich selbst

Doch wenn sie es auf ihre Art und Weise machen darf, genießt es Barbara Schöneberger, zu moderieren. Zur Zeit hat sie eine eigene Talkshow und führt durch die Sendung „Die 2“ mit Thomas Gottschalk und Günther Jauch. Sie agiert gern spontan aus der Situation heraus und redet am liebsten über andere, statt über sich selbst. Dann sei sie weniger angreifbar, weil nicht sie als Person im Mittelpunkt stehen würde. Deshalb war es auch nicht sie, die 2007 auf die Idee kam, Musik zu machen. „Das war mein Manager, der gesagt hat: Jetzt singen wir mal. Und ich antwortete: Ich glaube nicht! Warum sollte ich das tun?“, sagt sie.

Doch der Manager ließ nicht locker, ließ Texte schreiben, machte ein Orchester ausfindig, das mit seiner Klientin auf Tour gehen sollte. Sie war überwältigt – und überzeugt, dass es gut gehen könnte. „Plötzlich sah ich mich mit 17 Mann auf der Bühne hier. Mehr hat doch nur Barbra Streisand. Und dann dachte ich: Gottseidank singen wir jetzt.“ Seitdem sehe sie sich als die deutsche Barbra Streisand an, sagt Schöneberger mit einem Augenzwinkern. „Ich finde, sie ist die Coolste auf der ganzen Welt.“

„Ich mach’ das, was mir Spaß macht“

Seit ihrem ersten Auftritt im September 2007 sei sie also dann auch Sängerin, stellt sie beim Interview fest. „Bei den Proben habe ich gerade wieder gemerkt: ich mach’ das, was mir Spaß macht.“, sagt die gebürtige Münchnerin. Wichtig sei ihr, dass sie sich in ihrer Musik wiedererkennen würde, auch in den Texten. Die hat sie – das gibt sie ganz offen zu – nicht selbst geschrieben. „Aber wir haben die Lieder natürlich so ausgesucht, dass man denken könnte, ich hätte die Texte gemacht. Ich kann das aber nicht, das ist ein eigener Beruf für sich“, sagt sie voller Anerkennung.

Mitspracherecht habe sie jedoch bei der Auswahl der Musik und den Texten. Die Änderungsvorschläge würden dann gemeinsam mit allen Beteiligten diskutiert, erzählt Schöneberger - am liebsten ganz gemütlich zu Hause in ihrer Wohnung. „Und dann gibt es ganz viel zu essen und die Herren von der Plattenfirma kommen. Die essen nur Schoko-Cookies und sagen am Ende ,Ok, aber da denken wir noch einmal drauf herum’. Und mein Manager sagt immer: ,Müssen wir noch mal neu machen’“, erzählt Barbara Schöneberger. „Und ich mache immer lustige Witzchen und koche Kaffee und bringe neues Gebäck. Und die Einzige, die was macht, ist meine Managerin Claudia, die dafür sorgt, dass wir zum Punkt kommen.“

Nur im Privatleben organisiert

Die Entourage um sie herum sei sowieso besonders wichtig, gibt Schöneberger zu. Am liebsten wäre es ihr, wenn sie jeden Tag einen Stundenplan vorgelegt bekäme. „Ich wäre der totale Vollversager, wenn mich niemand in richtige Bahnen lenken würde.“ Organisiert sei sie nur im Privatleben. „Wenn ich einen Sessel in Karomuster beziehen lassen will, dann geht das ganz fix, dann bin ich engagiert“ sagt Schöneberger. Und auch die Socken lege sie selbst zusammen – „als Ausgleich.“