Samu Haber

Der Neue bei „The Voice“ kennt sich schon gut aus in Berlin

Samu Haber, Sänger der Band „Sunrise Avenue“, löst Rea Garvey als Jury-Mitglied bei „The Voice of Germany“ ab. Dafür lernt der Finne intensiv Deutsch und verlegte seinen Wohnsitz nach Berlin.

Foto: Universal

Ohne Deutschlehrer hätte er es nicht gemacht. Sagt er zumindest. Samu Haber, Sänger und Frontmann der finnischen Band „Sunrise Avenue“, wollte ProSieben und Sat.1 die Teilnahme als Jury-Mitglied bei der neuen Staffel „The Voice of Germany“ eigentlich absagen. Doch der Gedanke an Vorgänger Rea Garvey, der ebenfalls selten mit Landessprache überzeugte, sowie das Versprechen, vorab einen Intensivkurs machen zu können, hat den 37-Jährigen überzeugt.

Berliner Morgenpost: Und, werden Sie in der Show Deutsch sprechen?

Samu Haber: Die Show heißt „The Voice of Germany“, es heißt „der Coach“ und „der Buzzer“. Es ist also alles sehr international. Ich denke, die meisten Zuschauer würden es sogar verstehen, wenn man die ganze Show auf Englisch machen würde. Aber ja, ich spreche Deutsch. Und diese Herausforderung macht mir sehr viel Spaß.

Ist Ihr Vater nicht auch Deutscher?


Er ist Finne, aber seine Eltern kommen aus Deutschland. Ich habe die Sprache also sehr viel gehört, als ich klein war, wenn mein Vater mit meiner Großmutter gesprochen hat. Und ich habe versucht, in der Schule Deutsch zu lernen. Aber meine Noten waren nicht sehr gut. Dann wurde ich von der Highschool geworfen. Einer der Gründe dafür war, dass ich die Prüfungen in Deutsch nicht bestanden habe. Jetzt habe ich für „The Voice“ einen Kurs gemacht. Ich habe zwei Wochen vor den Aufzeichnungen angefangen und mache jetzt weiter damit.


„The Voice“ ist doch auch eine gute Möglichkeit, das neue Album zu promoten.

Ja, sicher. Das sagt mir auch jeder. Aber als ich zum ersten Mal gefragt wurde, ob ich bei der Show mitmachen möchte, habe ich wegen der Sprachbarriere abgesagt. Die Menschen vom Fernsehen denken aber offensichtlich, dass ich das gut genug hinbekomme, dass ich überleben werde und dass mir das noch einen zusätzlichen Karriereschub geben wird. Ehrlich gesagt, wir haben schon über eine halbe Million Platten in Deutschland verkauft, wir müssen hier nicht bei null anfangen. Also hoffe ich vor allem, dass durch „The Voice“ die Verkäufe nicht sinken. Für mich ist das eine großartige Erfahrung, die neuen Wind in mein Leben bringt.

Was sagen Ihre Bandkollegen dazu?

Nicht viel. Sie haben mir viel Glück gewünscht. Und die Promo-Tour mache ich sowieso schon immer allein. Deshalb hatten sie sehr viel freie Zeit dieses Jahr, um ihre Gärten zu machen und Golf zu spielen. Wahrscheinlich werden sie sich am Ende vor allem über meine Deutsch-Aussprache lustig machen.

Es gibt also keine Eifersucht bei Ihnen?

Nein, ich glaube nicht. Wir sind schließlich keine 18 mehr. Ich wurde eben gefragt, und ich glaube, die anderen sind froh, dass sie jetzt Zeit für andere Projekte haben. Es war von Anfang an meine Band mit vielen Leuten, die gekommen und gegangen sind. Es ist doch besser, man hat den Sänger da draußen als niemanden.

Warum machen Sie den Coach nicht bei der finnischen Variante von „The Voice“?

Sie haben mich am Anfang, vor drei oder vier Jahren, sogar gefragt. Aber ich habe Nein gesagt. Zuerst habe ich nicht daran geglaubt, dass „The Voice“ eine gute Show werden würde. Wir haben auch die „Idol“-Show, und ich hasse das. Ein dicker Typ, der aussieht wie ein Obdachloser, kommt dorthin und kann nicht singen. Und dann lachen die Juroren über ihn und sagen: „Verpiss dich.“ Warum tun sie das? Ich finde das sehr gruselig. Davon möchte ich kein Teil sein. Dann haben sie mir das Konzept von „The Voice“ präsentiert. Ich mochte die Idee, aber konnte mir nicht vorstellen, dass es das Publikum mag, wenn alles nur positiv ist. Mir war nicht klar, dass in dieser Show die Coaches gegeneinander kämpfen müssen. Sie haben mich bei der dritten Staffel noch einmal gefragt, aber ich habe wieder abgesagt. Ich bin in Finnland schon jetzt relativ bekannt. Ich kann kaum vor die Tür gehen, ohne erkannt zu werden. Aber wenn man „The Voice of Finland“ macht, dann kennt einen wirklich jeder. Alle schreiben über dich, dein Privatleben und deine Beziehung. Und wenn ich in den Supermarkt gehe, um Toilettenpapier zu kaufen, dann möchte ich nicht, dass es davon Fotos gibt. Bei „The Voice of Germany“ habe ich nichts zu verlieren. Ich kann danach immer noch nach Hause gehen, und dort ist es ruhig, und ich kann in Frieden leben.

Leben Sie während der Dreharbeiten hier?

Zur Hälfte. Ich lebe immer noch in Helsinki, das ist meine Heimat. Aber ich kenne Berlin schon besser als die Taxifahrer.

Hatten Sie vorher schon von den anderen Mitgliedern der Jury gehört?

Nicht wirklich. Ich kannte natürlich Nena. Ich hatte sogar ein Nena-Poster, als ich klein war. Als in der finnischen Presse berichtet wurde, dass ich bei „The Voice of Germany“ sein werde, haben alle nur über Nena gesprochen. „99 Luftballons“ kennt in Finnland jeder.

Haben Sie sich vorher Gedanken darüber gemacht, was Sie den Teilnehmern als Coach beibringen wollen? Sodass diese eine Chance haben, künftig mal zu einer Nena zu werden?

Ich habe schon ein paar jungen Musikern geholfen. Aber es ist immer wieder eine neue Situation. Jeder hat andere Stärken. Ich habe versucht ihnen zu sagen: Schaut mich an, ich bin irgendein Typ aus Finnland. Ich bin nicht der beste Sänger, und ich sehe nicht besonders gut aus. Aber ich habe es trotzdem geschafft, und dann könnt ihr das auch. Niemand ist zu mir gekommen und hat gesagt: Hier ist deine Karriere. Dafür muss jeder selber kämpfen. Aber natürlich gab es immer Leute, die mir geholfen haben. Und ich möchte jetzt auch einer dieser Helfer sein.