Gefühlt ist es gar nicht so lange her, da stand eine 19 Jahre alte Schülerin vor einer Jury und überzeugte mit ihrer Stimme und ihrer jugendlichen, erfrischenden Art, durfte schließlich Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten. Und gewann.

Heute sitzt Lena Meyer-Landrut auf der anderen Seite – auf der Seite der erfahrenen Musiker – gemeinsam mit den beiden Sängern Tim Bendzko und Henning Wehland. Gemeinsam sind sie die Coaches der neuen Talentshow „The Voice Kids“, die ab Freitag bei Sat.1 (5. April 2013, 20.15 Uhr) zu sehen sein wird. Sie ist der Ableger von der Castinshow „The Voice“. Der einzige Unterschied: Die Talente, denen der Weg ins Showbusiness geebnet werden soll, sind zwischen acht und 14 Jahre alt.

Im Vorwege mussten sich die Macher der Show viel Kritik aussetzen. Man wolle auf Kosten von Kindern Entertainment betreiben, hieß es. Warum müsse man Kinder in dem Alter schon auf die Bühne zerren, wenn sie doch eigentlich zur Schule gehen sollen. Doch all dies wollen die drei Jury-Mitglieder nicht gelten lassen. Gemeinsam sitzen sie auf einem Ledersofa in einem Raum im Studio Berlin in Adlershof - dort wo auch die Aufzeichnungen stattfinden. Noch immer sei sie ganz aufgewühlt wegen der so genannten „Battles“ vom Vortag, beichtet Lena Meyer-Landrut - und habe, so stellte sie erschrocken am Ende des Tages fest – während der Show Fingernägel gekaut.

Von den „Blind-Auditions“ zu den „Battles“

„Man übernimmt für die Zeit als Coach eine gewisse Verantwortung und möchte, dass die Kinder es so gut wie möglich machen“, sagt die heute 21-Jährige. „Und sich dann entscheiden zu müssen, hat mich furchtbar nervös gemacht.“ Der Ablauf der Sendung unterscheidet sich nicht von der Erwachsenen-Version des Formats. Zunächst müssen die Kinder bei den so genannten „Blind-Auditions“ die Coaches von ihrem Talent überzeugen, dann treten sie in den „Battles“ gegeneinander an. Tipps für die Auftritte gibt es davor von den Coaches, die während der Show für ihre Schützlinge mitfiebern. „Man hat eine Verbindung und da entsteht so eine Art Verantwortungsgefühl“, sagt Tim Bendzko, der mit seinen 27 Jahren auch noch verhältnismäßig frisch im Geschäft ist. „Du drückst die Daumen wie die Mutti am Spielfeldrand beim Fußball.“

Anders ist das bei Hennig Wehland, Frontmann der Band H-Blockx und Mitglied bei den Söhnen Mannheims, der bereits seit Jahren auf der Bühne zu Hause ist. Beim Interview wirkt er ein wenig wie der Jury-Papa, der mit sehr viel Ernst an die Sache herangeht. Immer wieder fasst er die Aussagen seiner Kollegen zusammen, konkretisiert sie, verleiht seinen Worten Nachdruck. „Ich hatte schon immer großes Interesse daran, Menschen dabei zu helfen herauszufinden, ob es jenseits des Berufs des Versicherungskaufmanns oder des Rechtsanwalts noch Leidenschaften gibt, die man zum Beruf machen kann“, sagt der 41-Jährige.

Dass es sich hierbei um Schulkinder handelt, ist für den Musiker nicht relevant. „Man bietet den Kandidaten eine Chance, die nichts an Erfahrung haben, sondern nur wahnsinnig viel Talent. Das ist bei Erwachsenen genau so.“ Besonders gefreut hat er sich über die Tatsache, dass es den Kindern augenscheinlich darum ging, gemeinsam Musik zu machen und nicht gegeneinander anzutreten.

Kinder sollen einen Einblick bekommen

Lena Meyer-Landrut, die jüngste im Coach-Trio, sieht das ähnlich - die Kinder sollen eine Chance bekommen, einen realistischen Einblick in das Leben eines Musikers zu bekommen, nicht mehr und nicht weniger. „Es gibt nirgendwo ein Heft von der Arbeitsagentur, in dem die Punkte aufgelistet sind, was man dazu braucht, um in der Öffentlichkeit zu stehen“, sagt sie. „Es gibt keine Ausbildung, kein Studium.“ „Das kann man 100 Mal erklären und dennoch muss man es am eigenen Leibe spüren“, pflichtet ihr Tim Bendzko bei. „Es ist toll, wenn Kinder hier schon im jungen Alter ein Feedback bekommen – und zwar nicht nur von uns, sondern auch vom Publikum. Und sie können eben erfahren, ob ihnen auch die ganze Szenerie drum herum gefällt.“ Und da sei es egal, wie stark das Talent ist, findet der Sänger. Bei den Entscheidungen müsse immer bedacht werden, „ob man einem Kind die Show zumuten kann oder nicht.“

Zumuten könne und müsse man den Kindern, die während des Gesprächs von allen Coaches immer „Talente“ genannt werden, jedoch die ungeschminkte Wahrheit über ihre Leistungen. „Der größte Irrtum ist, wenn man denkt, dass Kinder nicht in der Lage sind, selbstständig nachzudenken“, sagt Tim Bedzko. Man müsse ihnen nachvollziehbar erklären, warum sie rausgeflogen sind oder weiterkommen - nicht anders sei das bei Erwachsenen. Einen wichtigen Unterschied gäbe es jedoch. „Da sind ganz wenige Kinder, die einen Kampfgeist entwickeln. Die Kinder freunden sich währenddessen an, merken, dass es nur gut wird, wenn man gemeinsam singt“, sagt der Sänger. „Konkurrenz verstehen sie noch nicht, das ist das Tolle daran.“

Und genau deshalb ist sich die Jury auch sicher, dass die Kinder lediglich von der Show profitieren können. Und am Ende des Gesprächs versucht Henning Wehland es auf den Punkt zu bringen: „Wir wollen keinen Titel verschenken, sondern Erfahrungen weitergeben“, sagt er. „Wir wollen den Kindern das Gefühl vermitteln, sich freuen zu können, dabei gewesen zu sein. Und da sollte das Ergebnis egal sein.“