Musikpreis

Die Echo-Verleihung wird zu Campino-Festspielen

Eine glatte Helene Fischer, eine schaukelnde Lena und ein alter Liedermacher: das waren die Highlights der Echo-Verleihung. Und über allem schwebten die Toten Hosen, die drei Preise abräumen konnten.

Foto: axs / picture alliance / dpa

Dass Robbie Williams auf Helene Fischer steht, hatte der britische Popstar bereits vor der Echo-Verleihung verkündet. Dass diese Sympathie jedoch auf Gegenseitigkeit beruht, wird gleich zu Beginn der Veranstaltung klar: Schlagersternchen Helene Fischer schwebt in einem silbernen, hautengen Anzug durch das Palais am Funkturm auf dem Berliner Messegelände, in dem auch in diesem Jahr wieder der Echo, Deutschlands wichtigster Musikpreis, vergeben wird. Währenddessen erklingt unter dem Jubel des Publikums Robbies "Let me Entertain you" aus der Kehle der 28 Jahre alten Sängerin. Glück gehabt. Helene kann also nicht nur Schlagerfans begeistern.

>>>Zum Nachlesen: Der Live-Ticker von der Echo-Verleihung

Mehr als 3000 Gäste, darunter nationale und internationale Größen der Unterhaltung, waren am Donnerstagabend nach Berlin gekommen, um beim musikalischen Gipfeltreffen der deutschen Musikbranche - der 22. Echoverleihung - dabei zu sein. Und nicht nur das: Internationale Stars wie Depeche Mode, der Geigenvirtuose David Garrett und Carla Bruni, die Gattin des ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, ließen es sich nicht nehmen, selbst aufzutreten.

Der Gesundheitsminister ist gespannt auf Depeche Mode

Die hübsche Französin überzeugte dezent geschminkt, lasziv auf einem Barhocker sitzend, mit einer Gitarre in der Hand. Ein relativ kurzes Intermezzo zwar, dennoch genoss sie die Bewunderung von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. "Als ehemalige First Lady Frankreichs noch auf eine Bühne zu gehen und ihre Erfahrungen in der Musik zu verarbeiten, finde ich sehr mutig", so Bahr. "Gespannt bin ich auch, ob Depeche Mode mich noch genau so begeistern kann, wie in meiner Jugend."

Aber auch die Lokalmatadore Seeed und die Ostrockband Silly um Schauspielerin Anna Loos brachten den Saal zum kochen. Genau wie die britische Band Hurts. Und das, obwohl Frontmann Theo Hutchcraft ein wenig lädiert aussah: Zuvor war er eine Treppe herunter gefallen und hatte sich am Auge verletzt, erklärte er am rotem Teppich, der traditionell in diesem Jahr wieder lilafarben war. Hier hatte sich auch Lena Meyer-Landrut im weißen Spitzenkleid getummelt, die später auf der Bühne vor Rührung hysterisch weinte, als sie die Auszeichnung "Bestes Video National" entgegennahm. Gleich mehrmals musste der Toten-Hosen-Sänger Campino mit Band auf die Bühne.

Neben Echos in den Kategorien "Album des Jahres", "Rock/Pop national" und einer Ehrung für ihren Song "An Tagen wie diesen" war die Band bereits am Abend zuvor in der Kategorie "Erfolgreichstes Produzententeam National" ausgezeichnet worden. Und noch eine Ehre kam Campino zuteil: Der Sänger überreichte Jimmy Page und John Paul Jones, stellvertretend für die Band Led Zeppelin, den Echo für ihr Lebenswerk. Zudem präsentierten die Hosen gemeinsam mit Hannes Wader, der für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, eine Rockversion seines größten Hits "Heute hier, morgen dort".

Helene Fischer kriegt zwei Echos von David Garrett

Zu weiteren Abräumern des Abends gehörten die sonst so melancholische Lana Del Rey, die nun zwei Echos ihr Eigen nennen darf, sowie Cro, der Rapper mit der Panda-Maske, der in den beiden Kategorien "HipHop national/international" und "Erfolgreichster Newcomer National" geehrt wurde. Auch Gastgeberin Helene Fischer bekam gleich zwei Echos von David Garrett überreicht - und blieb dafür erstaunlich cool.

Vielleicht freute sie sich, dass die Show so reibungslos abgelaufen war: Von den Protesten der Fans der Südtiroler Band Frei.Wild, die von der Veranstaltung aufgrund der Querelen um ihre Nominierung von der Veranstaltung ausgeschlossen worden waren, bekamen die Gäste in der Halle nichts mit. Dort regierte die übliche Gute-Laune-Stimmung, Helene Fischer sei dank.