65. Geburtstag

Camilla - einst geschmäht und heute akzeptiert

Ihre Königliche Hoheit Camilla, Herzogin von Cornwall, feiert heute ihren 65. Geburtstag. Gibt es doch noch eine Krone für sie?

Was hat sie sich dabei gedacht? Der Kopfschmuck, den Camilla Parker Bowles trug, als sie nach 35 Jahren mal mehr, mal weniger heftiger Tändeleien endlich mit dem britischen Thronfolger vor den Altar trat, hätte nicht viel bizarrer sein können: eine wild gespreizte Federkreation von Philip Treacy, eine Mischung aus kommunistischem Ähren- und griechischem Lorbeerkranz.

Sollte das ihre Naturverbundenheit zeigen, die sie ja im Unterschied zu ihrer Vorgängerin mit Prinz Charles teilen soll? War es ein Siegerkranz? Nach dem Motto: Seht her, nun habe ich ihn doch gewonnen. Und die Krone bekomm` ich auch noch. Oder hat sie nur das gedacht, was schon häufiger das Leitmotiv ihres Lebens gewesen sein soll: Der gefällt mir, den nehme ich!

Spitzname „Rottweiler“

Wir werden es vermutlich nie erfahren. Die Duchess of Cornwall, wie Camilla seit ihrer Hochzeit mit dem ewigen Prinzen offiziell heißt, ist niemand, der sich bei der Presse ausheult. Seit 1970, seit sie bei einem Polospiel einen der begehrtesten Junggesellen des Landes kennenlernte, sind die Journalisten hinter ihr her – vergeblich. Die Briten nannten sie „the Rottweiler“, ein Spitzname, den Diana erfunden haben soll, sie galt als die böse Fee und alte Hexe, die der monarchisch verliebten Welt das Märchen von Charles und Diana verdarb. Als Charles 1994 öffentlich seine Untreue bekannte, bewarf eine Gruppe entgrenzter Hausfrauen sie sogar auf einem Supermarktparkplatz mit Brötchen. Viele hätten solche Anfeindungen dazu verführt, sich zu verteidigen. Nicht Camilla, die am heutigen Dienstag ihren 65. Geburtstag feiert.

Von ihr gab es keine Anschuldigung der Medien, keinen Seitenhieb auf die königliche Familie und vor allem keine Bemerkung über Diana (es sei denn, man glaubt dem Gerücht, Camilla habe Di einst „lächerliche Kreatur“ genannt).

Es ist allerdings nicht so, dass Camilla zu scheu für die Presse sei. Als Charles und sie 2005 ihre Verlobung bekannt gaben und Camilla erstmals interviewt wurde, da erschien sie als selbstbewusste und selbstironische Frau. „Hat Charles auf Knien um Ihre Hand angehalten?“ – „Klar, was denn sonst“, gab sie lachend zurück. Nein, es scheint schlicht, als interessiere sie die öffentliche Inszenierung nicht. Sollen die anderen doch denken, was sie wollen.

Intime Telefonate der beiden

Das haben sie jahrelang ja ohnehin gemacht. Beflügelt hat die Fantasie des Volks unglücklicherweise Prinz Charles selbst. Durch „Camillagate“, intime Telefonate der beiden, die der Geheimdienst 1989 aufzeichnete und die 1992, als sie an die Öffentlichkeit gerieten, wegen ihrer Lächerlichkeit zum Tiefpunkt der über tausendjährigen Geschichte der britischen Monarchie erklärt wurden. Als Charles und Camilla im April 2005 heirateten, war „Camillagate“ immer noch präsent. Eine englische Journalistin kommentierte damals die Verbindung so: „Sehen wir das Positive an der Sache, immerhin muss der britische Thronfolger nicht mehr darüber fantasieren, dass er als Tampon wiedergeboren wird.“

Ein großes Problem Camillas ist, dass sich beim besten Willen kein Märchen auf sie projizieren lässt. Kein unüberwindbares Hindernis stand ihrer Liebe einst im Weg, als sie sich zum ersten Mal trennten. Zwei Jahre dauerte ihre erste Beziehung zu Prinz Charles. 1972 stach der Thronfolger in Gibraltar in See, und Camilla Rosemary Shand verlobte sich mit Andrew Parker Bowles, den sie ein Jahr später heiratete und mit dem sie zwei Kinder hat. Und doch gibt Camilla den Romantikern Hoffnung: Denn irgendwie konnte sie nie von Charles lassen, und er nicht von ihr.

Im siebten Jahr als anerkanntes Mitglied der „Firma“, wie die Königin angeblich die Royal Family nennt, ruft Camilla Mountbatten-Windsor immer noch keinen öffentlichen Jubel hervor. Der Boulevard testet, ob sie sich nicht doch wieder als böse Hexe einsetzen lässt, diesmal mit Kate als Antagonistin. Jüngst hieß es, ihre Lästereien über Lady Di hätten zum Krach zwischen der Duchess of Cambridge und ihrer Stiefschwiegermutter geführt.

„Dame“ des Royal Victoria Ordens

Doch letztendlich muss sich die Duchess of Cornwall tatsächlich wenig darum kümmern, was der Boulevard von ihr hält. Heute feiert sie ihren 65. Geburtstag – mit ihrem Prinz. Aus einer sehr viel sichereren Quelle wissen wir mittlerweile, was die Menschen denken, die ihr wirklich nahestehen. In einem Interview verriet Prinz Harry: „Camilla ist eine wunderbare Frau, und sie macht unseren Vater sehr glücklich. William und ich finden sie absolut großartig.“

Und auch eine andere Frau, die ähnlich wenig auf Klatsch gibt, unterstützt Camilla neuerdings. Queen Elizabeth hat ihrer Schwiegertochter zum Hochzeitstag die höchste Stufe des Royal Victoria Ordens verliehen, und damit den Titel „Dame“.

Bei der großen Parade zum 60. Thronjubiläum ließ sie Camilla sogar neben sich im offenen Landauer fahren. Auf einmal scheint es dann doch möglich, dass Camilla eines Tages ihren Federschmuck gegen eine Krone tauschen könnte. Tragen könnte sie beides.